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Energie

Heizungs-Hammer ist Geschichte – Regierung dreht Habecks Gesetz zurück

Für Millionen Hausbesitzer gibt es Entwarnung: Die umstrittene 65-Prozent-Regel beim Heizungstausch ist praktisch vom Tisch. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ersetzt. Wer eine kaputte Gasheizung hat, kann künftig wieder eine neue Gasheizung einbauen – ohne Zwang zur Wärmepumpe.

Illustration: Katherina Reiche zerschneidet Habecks 65-Prozent-Regel – die Wende ist da

Ende einer Ära: Die Merz-Regierung kippt Habecks umstrittenes Heizungsgesetz.

Die wichtigsten Punkte

  • GEG wird abgeschafft: Das Gebäudeenergiegesetz der Ampel wird durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ersetzt. Deutsche Handwerks Zeitung, Dez. 2025
  • 65-Prozent-Regel fällt: Die Vorgabe, dass neue Heizungen zu 65% mit erneuerbaren Energien laufen müssen, gilt für Bestandsgebäude nicht mehr. Hasepost, Dez. 2025
  • Gasheizungen erlaubt: Wer eine kaputte Gasheizung hat, kann wieder Gas einbauen – wenn sie „H2-ready" oder als Hybrid ausgelegt ist. Vaillant, Dez. 2025
  • Marktreaktion: Gasheizungs-Boom, Wärmepumpen-Krise. Viessmann und Vaillant sehen Milliarden-Investitionen gefährdet. GIH, Dez. 2025
  • Klimaziele in Gefahr? Kritiker warnen: Ohne Ordnungsrecht wird Deutschland die Gebäudesektor-Ziele verfehlen.

Die Heizungs-Wende

Es war das Trauma der letzten Regierung: Das Gebäudeenergiegesetz, im Volksmund „Heizungshammer". Robert Habecks (Grüne) Versuch, über strenge Vorgaben die Wärmewende zu erzwingen, mobilisierte Millionen Hausbesitzer gegen die Ampel.

Jetzt kommt der große Reset.

Die Regierung Merz beerdigt das GEG und ersetzt es durch das GMG – Gebäudemodernisierungsgesetz. Der neue Name ist Programm: Weg von Verboten, hin zu „Fortschritt" und „Freiwilligkeit".

Was sich konkret ändert

Die 65-Prozent-Regel ist faktisch abgeschafft.

Unter der Ampel musste jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das lief in der Praxis meist auf die Wärmepumpe hinaus. Gas- und Ölheizungen waren nur noch in Ausnahmen erlaubt.

Jetzt gilt:

  • Bestandsgebäude: Keine harte 65%-Vorgabe mehr
  • Gasheizungen erlaubt: Wer eine kaputte Gasheizung tauschen muss, kann wieder Gas einbauen – wenn das System „H2-ready" (wasserstofffähig) oder als Hybrid ausgelegt ist
  • Technologieoffenheit: Wärmepumpe, Gas, Wasserstoff, Biomasse – alles ist möglich
  • Markt statt Staat: Der CO2-Preis (ETS II) soll langfristig klimaschädliches Heizen verteuern, nicht das Ordnungsrecht

Die Begründung der Regierung

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt auf den Markt. Ihre Argumentation: „Wir schreiben den Bürgern nicht vor, wie sie heizen. Wir verteuern schädliches Heizen über den CO2-Preis – und überlassen die technologische Lösung den Ingenieuren."

Kanzler Merz spricht von einem „Qualitätssprung" und „Neustart der Energiepolitik".

Der interne Konflikt

Die Reform verlief nicht geräuschlos. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) warnte bis zuletzt vor den Folgen. Ihre Sorge: Wer jetzt noch billige Gasheizungen einbaut, landet in zehn Jahren in der „CO2-Preisfalle" – wenn die Abgaben auf fossile Brennstoffe explodieren.

Für die SPD ist die Wärmewende auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: Heute sparen, morgen draufzahlen. Das trifft vor allem Geringverdiener.

Reiche setzte sich durch. Die Union dominiert die Energie- und Wirtschaftspolitik der Großen Koalition.

Was der Markt macht

Gasheizung vs. Wärmepumpe – Die Qual der Wahl

Hausbesitzer stehen vor der Entscheidung – teuer und öko oder günstig und flexibel?

Die Reaktionen sind eindeutig:

Gasheizungs-Boom: Handwerker melden eine neue Nachfragewelle. Viele Eigentümer nutzen das „Window of Opportunity", um schnell noch eine günstige Gasheizung zu verbauen.

Wärmepumpen-Krise: Für Hersteller wie Viessmann und Vaillant ist das GMG eine Katastrophe. Sie haben Milliarden in den Ausbau investiert – für einen Markt, der jetzt einbricht. Der Verband der Gebäudeenergieberater (GIH) warnt: Ohne klare Standards droht der deutschen Heizungsindustrie der Kollaps.

Infrastruktur-Turbo inklusive

Flankiert wird das GMG durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz. Es legt fest: Der Ausbau von Autobahnen und Schienen liegt im „überragenden öffentlichen Interesse".

Das bedeutet:

  • Verkürzte Umweltprüfungen
  • Schnellere Genehmigungen
  • Eingeschränktes Klagerecht für Naturschutzverbände

Merz nennt es „Aufbruch". Kritiker wie der BUND sehen einen „Rückfall in die Betonpolitik der 70er Jahre".

Klimaziele in Gefahr?

Die große Frage bleibt: Kann Deutschland ohne Ordnungsrecht im Gebäudesektor seine Klimaziele erreichen?

Die Antwort der Regierung: Ja – über den Markt und den CO2-Preis. Kritiker zweifeln daran. Der Gebäudesektor ist seit Jahren das Sorgenkind der Klimapolitik. Ohne verbindliche Vorgaben droht das Verfehlen der Sektorziele.

Die 65-Prozent-Erneuerbare-Regel für Bestandsgebäude ist weg. Hausbesitzer haben Entwarnung. Die Klimapolitik hat eine offene Flanke.