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Koalition (CDU/SPD) Kurz & Klar

Wehrdienst-Kompromiss: Musterung wird Pflicht, Dienst bleibt freiwillig

Illustration: Junge Männer an einer Weggabelung

Junge Männer stehen vor einer Weggabelung: Pflicht-Musterung (alle müssen hin) und freiwilliger Dienst (nur wer will).

Die Regierung aus SPD und CDU/CSU hat sich nach langem Streit auf eine Reform des Wehrdienstes geeinigt. Ab 2026 müssen alle 18-jährigen Männer zur Musterung – das bedeutet, sie müssen sich medizinisch untersuchen lassen und einen Fragebogen ausfüllen. Der Dienst bei der Bundeswehr selbst bleibt aber vorerst freiwillig. Die Regierung braucht mehr Soldaten, weil die NATO von Deutschland mehr Verteidigung fordert. Deutschlandfunk, Spiegel

Die wichtigsten Punkte

  • Musterung wird Pflicht: Alle Männer, die ab dem Jahr 2008 geboren wurden, müssen ab 2026 zur Musterung gehen. ESUT
  • Dienst bleibt freiwillig: Niemand muss nach der Musterung automatisch zur Bundeswehr. Nur wer selbst will, tritt den Dienst an.
  • Geld für Freiwillige: Wer freiwillig zur Bundeswehr geht, bekommt etwa 2.600 Euro im Monat und einen Zuschuss für den Führerschein. t-online
  • Frauen können freiwillig: Frauen bekommen auch einen Fragebogen, müssen diesen aber nicht ausfüllen. Sie können freiwillig zur Bundeswehr gehen. Deutschlandfunk
  • Mehr Soldaten gebraucht: Die Bundeswehr soll von aktuell 182.000 auf 260.000 Soldaten wachsen, weil die NATO das fordert. DBwV

Was bedeutet „Musterung"?

Musterung bedeutet: Du musst zu einem Arzt gehen, der dich untersucht. Er prüft, ob du gesund genug für den Wehrdienst bist. Du bekommst auch einen Fragebogen, in dem gefragt wird: Hast du Vorstrafen? Möchtest du freiwillig zur Bundeswehr? Welche Fähigkeiten hast du?

Die Musterung ist nur eine Untersuchung. Danach musst du nicht automatisch zur Bundeswehr. Du kannst selbst entscheiden, ob du den Dienst antreten möchtest oder nicht.

Unterschied: Musterung und Wehrpflicht

Musterung: Du wirst untersucht und deine Daten werden erfasst. Das ist jetzt Pflicht für alle 18-jährigen Männer.

Wehrpflicht: Nach der Untersuchung musst du zur Bundeswehr, außer du verweigerst den Dienst. Das ist aktuell NICHT der Fall – der Dienst bleibt freiwillig.

Die Regierung hat also nur die Untersuchung zur Pflicht gemacht, nicht den Dienst selbst.

Warum dieser Kompromiss?

SPD und CDU/CSU haben wochenlang gestritten. Die SPD wollte, dass alles freiwillig bleibt. Die CDU/CSU und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wollten eine Pflicht-Musterung für alle Männer, damit die Bundeswehr genug Informationen hat, wen sie im Notfall einziehen könnte. ZDF

Pistorius hat sich durchgesetzt. Er argumentierte: Deutschland braucht mehr Soldaten, weil Russland eine Bedrohung ist und die NATO von Deutschland mehr Verteidigung fordert. Die NATO hat ein Ziel festgelegt: Deutschland soll bis 2029 mindestens 260.000 aktive Soldaten haben – aktuell sind es nur etwa 182.000. DBwV

Wie läuft das genau ab?

Ab 2026 läuft es in drei Schritten:

Schritt 1 – Fragebogen: Alle 18-Jährigen (Männer und Frauen) bekommen einen Fragebogen per Post. Männer müssen diesen ausfüllen und zurückschicken. Frauen können das freiwillig machen. Bundesregierung

Schritt 2 – Musterung: Basierend auf dem Fragebogen werden einige junge Männer zur Musterung eingeladen. Dort werden sie medizinisch untersucht (z.B. Sehtest, Hörtest, psychische Eignung). Wer gesund und geeignet ist, wird als „tauglich" eingestuft.

Schritt 3 – Freiwilliger Dienst: Wer als tauglich eingestuft wurde und freiwillig zur Bundeswehr möchte, kann sich melden. Diese Person bekommt dann eine Vergütung von etwa 2.600 Euro brutto im Monat plus Zuschüsse (z.B. für den Führerschein). t-online

Was passiert, wenn zu wenige freiwillig gehen?

Das ist die große Frage. Die Regierung hofft, dass genug junge Menschen freiwillig zur Bundeswehr gehen. Wenn das nicht klappt, gibt es eine sogenannte „Bedarfswehrpflicht". Südtirol News

Das bedeutet: Der Bundestag könnte in der Zukunft ein neues Gesetz beschließen, das eine echte Wehrpflicht einführt. Dann würden per Los einige der gemusterten jungen Männer ausgewählt, die dann verpflichtend zur Bundeswehr müssten. Das wäre aber ein komplett neues Gesetz – es ist also aktuell noch nicht beschlossen.

Kritik am Modell

Nicht alle sind glücklich mit diesem Kompromiss:

Grüne: Die Grünen kritisieren, dass nur Männer zur Musterung verpflichtet werden. Sie sagen: „Das ist nicht fair. Frauen sollten genauso verpflichtet werden." Grüne

FDP: Die FDP sagt: „Das ist ein Schritt in Richtung Wehrpflicht. Das ist falsch. Wir brauchen eine moderne, freiwillige Bundeswehr, nicht die alten Modelle aus dem 20. Jahrhundert." FDP

Linke: Die Linke ist komplett gegen jede Form von Wehrpflicht. Sie sagt: „Deutschland sollte sich auf Diplomatie konzentrieren, nicht auf Aufrüstung."

Experten: Viele Militärexperten sagen: „Das Modell ist halbherzig. Wenn wir wirklich 260.000 Soldaten brauchen, reicht Freiwilligkeit nicht aus. Wir brauchen eine echte Wehrpflicht." Der Bundeswehr-Verband kritisiert, dass das Ziel (260.000 Soldaten) unrealistisch sei, wenn der Dienst freiwillig bleibt. Süddeutsche

Wann kommt das Gesetz?

Die Regierung will das neue „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz" (WDModG) noch im Dezember 2025 im Bundestag abstimmen lassen. Wenn der Bundestag zustimmt, könnte die Musterung ab Sommer 2026 starten. Die ersten jungen Männer würden dann ab 2027 zur Musterung gehen. Gesetzentwurf WDModG

Wichtig für Betroffene

Wer ist betroffen? Alle Männer, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden, müssen zur Musterung. Das bedeutet: Wenn du 2008 oder später geboren bist, bekommst du mit 18 Jahren einen Fragebogen.

Muss ich zur Bundeswehr? Nein. Die Musterung ist nur eine Untersuchung. Du musst nicht zur Bundeswehr, außer du möchtest freiwillig.

Was passiert, wenn ich den Fragebogen nicht ausfülle? Das ist aktuell noch nicht klar. Vermutlich wird es Bußgelder geben, ähnlich wie bei der Nichteinhaltung anderer Meldepflichten (z.B. Ummeldung beim Wohnsitz).

Fazit

Die Regierung hat einen Mittelweg gefunden: Die Musterung wird Pflicht, der Dienst bleibt freiwillig. Das ist ein Kompromiss zwischen der SPD (die Freiwilligkeit wollte) und der CDU/CSU (die eine Wehrpflicht wollte).

Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Experten zweifeln daran, dass Deutschland so genug Soldaten findet. Verteidigungsminister Pistorius hofft, dass die Musterung genug junge Menschen motiviert, freiwillig zur Bundeswehr zu gehen. Falls nicht, könnte in einigen Jahren die echte Wehrpflicht wieder kommen – dann per Losverfahren.