Bulgarien wird 21. Euro-Staat – Währungsunion wächst nach Südosteuropa
Zu kompliziert? 🐿️ Hier geht es zur Version „Kurz & Klar".
Willkommen im Club: Bulgarien ist seit dem 1. Januar 2026 Teil der Eurozone.
Am 1. Januar 2026 hat Bulgarien den Euro eingeführt und ist damit das 21. Mitglied der Währungsunion. Der Wechselkurs ist unwiderruflich auf 1,95583 Lew pro Euro fixiert. Für deutsche Urlauber, österreichische Investoren und die EZB selbst hat dieser Beitritt weitreichende Konsequenzen.
Die wichtigsten Punkte
- Fixkurs: 1,95583 BGN = 1 EUR – dieser Kurs galt bereits seit 28 Jahren im Rahmen des Currency Boards. [Kleine Zeitung]
- Lew-Ende: Der bulgarische Lew verliert am 1. Februar 2026 seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel. [ÖAMTC]
- EZB-Mitglied: Die Bulgarische Nationalbank erhält einen Sitz im EZB-Rat. [EZB]
- Ärmstes Mitglied: Mit ~26.300 € BIP/Kopf (KKP) liegt Bulgarien deutlich unter dem Schnitt. [IW Köln]
- Flat Tax: Nur 10 % Steuer auf Einkommen und Gewinne – Bulgarien bleibt EU-weit sehr attraktiv für Investoren. [IW Köln]
Hintergrund: 28 Jahre Vorbereitung
Bulgariens Weg zum Euro war ungewöhnlich lang. Bereits 1997 führte das Land ein Currency Board ein, das den Lew zunächst an die D-Mark und später an den Euro band. [SRF] Der offizielle Antrag auf Beitritt zur Eurozone wurde jedoch immer wieder verschoben – zuletzt wegen einer Inflationsrate von 9,5 % im Jahr 2024, die das Konvergenzkriterium verletzte. [ZDFheute]
Nun ist es so weit: Die technische Umstellung sieht eine kurze duale Phase vor, in der beide Währungen als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Ab dem 1. Februar 2026 gilt dann ausschließlich der Euro. [ÖAMTC]
Kein Umtausch mehr nötig: Für deutsche Urlauber wird Bulgarien jetzt noch einfacher.
Warum das wichtig ist
Für die rund 350 österreichischen Unternehmen, die in Bulgarien aktiv sind, entfällt mit dem Beitritt das Wechselkursrisiko vollständig. [Kleine Zeitung] Auch deutsche Firmen profitieren: Transaktionsgebühren fallen weg, die Planungssicherheit steigt. [DRV]
Tourismus: Günstiger und transparenter
Bisher reisten nur etwa 1,6 % der Deutschen nach Bulgarien. [Aktiv Online] Der Wegfall des Geldumtauschs und die volle Preistransparenz könnten das ändern. Experten weisen darauf hin, dass Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche in Bulgarien oft nur etwa die Hälfte der Kosten in Deutschland verursachen. [IW Köln]
Rumen Draganow, Direktor des Instituts für Tourismusanalysen, betont: Eine Verteuerung des Urlaubs sei nicht zu befürchten, da die Branche ihre Preise für 2026 bereits auf Euro-Basis kalkuliert habe. [Radio Bulgarien]
Skepsis in der Bevölkerung
Trotz der ökonomischen Vorteile ist die bulgarische Bevölkerung gespalten. Umfragen des Instituts Mjara zeigten, dass 54,9 % der Volljährigen die Euro-Einführung ablehnten, während nur 34,4 % zustimmten. [ZDFheute] Die Sorge: importierte Inflation und steigende Preise.
Wirtschaftswissenschaftlerin Galina Kolev-Schaefer vom IW argumentiert dagegen: Da die EZB ein Inflationsziel von 2 % verfolgt und politisch unabhängig agiert, bietet der Euro langfristig besseren Schutz vor Preisschocks als der Lew. [IW Köln]
| Kennzahl | Wert / Datum |
|---|---|
| Offizieller Wechselkurs | 1,95583 BGN = 1 EUR |
| Ende der Lew-Gültigkeit | 1. Februar 2026 |
| Gebührenfreier Umtausch (AT) | Bis 2. März 2026 (limitiert) |
| BIP/Kopf (KKP) | ~26.300 € (DE: ~45.500 €) |
| Flat Tax | 10 % auf Einkommen & Gewinne |
Folgen & Ausblick
Die Euro-Einführung in Bulgarien ist mehr als ein technischer Akt – sie ist ein Symbol für die fortschreitende europäische Integration. Für die EZB bedeutet der Beitritt auch mehr Verantwortung: Die Bank beaufsichtigt nun vier bedeutende bulgarische Institute direkt und 17 weitere indirekt. [EZB]
Ob der Beitritt langfristig Wohlstand nach Bulgarien bringt, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Mit der niedrigen Flat Tax und dem Wegfall des Währungsrisikos hat das Land gute Karten – aber auch einen langen Weg zur Aufholjagd vor sich.
Quellen: Kleine Zeitung · EZB · ÖAMTC · IW Köln · ZDFheute · Radio Bulgarien