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Außenpolitik & EU

Neue „Achse Berlin-Rom": Merz und Meloni schmieden Allianz – Verteidigung, Wirtschaft, Migration

Illustration: Elegante Begegnung in einer römischen Villa, zwei Regierungschefs schütteln Hände, EU-Flaggen im Hintergrund

Historischer Moment: Die 33. Deutsch-Italienischen Regierungskonsultationen markieren eine neue Ära der Zusammenarbeit.

Deutschland und Italien sind sich so nah wie nie zuvor. Am Donnerstag trafen sich die Regierungen in Rom zu den 33. Deutsch-Italienischen Regierungskonsultationen – und schmiedeten eine Allianz, die Europa verändern könnte. Verteidigungsabkommen, Wirtschafts-Offensive gegen Brüsseler Bürokratie, gemeinsame Migrationspolitik: Die beiden größten EU-Industrienationen rücken zusammen. Manche sprechen bereits von einer neuen „Achse Berlin-Rom". Was steckt dahinter – und was bedeutet das für Europa?

Die wichtigsten Punkte

  • Historische Nähe: Deutschland und Italien stehen sich 75 Jahre nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen so nah wie selten zuvor. [Bundeskanzler]
  • Verteidigungsabkommen unterzeichnet: Ein Abkommen zur verstärkten Kooperation in Sicherheit, Verteidigung und Resilienz wurde geschlossen – mit Fokus auf Rüstungsindustrie. [BMVG]
  • Wirtschafts-Offensive gegen Brüssel: Beide Länder fordern Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und ein Ende der „ideologischen Green Transition". [Bundeskanzler]
  • Gemeinsamer Migrations-Kurs: Deutschland tritt der informellen Arbeitsgruppe „gleichgesinnter Länder" bei – Fokus auf Bekämpfung illegaler Migration. [Bundeskanzler]
  • 10 Minister mit in Rom: Die halbe deutsche Regierung war dabei – ein Zeichen für die Bedeutung der Beziehung. [Euronews]

Hintergrund: Was ist passiert?

Am Donnerstag, 23. Januar 2026, reiste Bundeskanzler Merz mit zehn Ministerinnen und Ministern nach Rom. Dort empfing ihn die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in der Villa Doria Pamphilj – einem Gästehaus der italienischen Regierung.

Die Symbolik war nicht zu übersehen: Roter Teppich, Ehrengarde, Nationalhymnen. Merz und Meloni traten auf wie zwei Regierungschefs, die eine strategische Partnerschaft zelebrieren.

Und genau das taten sie. In ihrer gemeinsamen Pressekonferenz betonten beide die „außergewöhnliche Übereinstimmung" in fast allen politischen Fragen. [Bundeskanzler]

Illustration: Großer Konferenztisch in einem historischen Saal, viele Minister und Berater in Diskussion, italienische und deutsche Flaggen

Zehn deutsche Minister, zehn italienische Minister: Die Regierungskonsultationen waren die umfassendsten seit Jahren.

Die drei Säulen der neuen Allianz

1. Verteidigung & Sicherheit: Enge Rüstungskooperation

Deutschland und Italien haben ein umfassendes Sicherheits- und Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Die Kernpunkte:

  • Harmonisierung der militärischen Beschaffung: Beide Länder wollen künftig ähnliche Waffensysteme kaufen – billiger, effizienter, interoperabler
  • Gemeinsame Rüstungsindustrie-Projekte: Konkret genannt wurde das Joint Venture zwischen Leonardo (Italien) und Rheinmetall (Deutschland)
  • Erstmals gemeinsames Format der Außen- und Verteidigungsminister: Ein neues Gremium soll regelmäßig tagen

Merz formulierte es so: „Wir müssen unsere Systeme vereinfachen, die Anzahl der Systeme reduzieren und höhere Stückzahlen erreichen." [Bundeskanzler]

Die Botschaft: Europa kann sich nur verteidigen, wenn seine Rüstungsindustrien enger zusammenarbeiten – und weniger verschwenden.

2. Wirtschaft: Offensive gegen Brüsseler Bürokratie

Hier wurde es politisch brisant. Merz und Meloni machten kein Geheimnis daraus, dass sie mit der aktuellen Wirtschaftspolitik der EU unzufrieden sind.

Ihre Kritikpunkte:

  • Zu viel Bürokratie: Europäische Regulierungen seien „faktisch Zölle, die wir uns selbst auferlegen", so Meloni
  • Ideologische Green Transition: Der European Green Deal habe „unsere Unternehmen in die Knie gezwungen", kritisierte die italienische Regierungschefin
  • Schwächung der Automobilindustrie: Das Verbrenner-Aus sei ein Fehler gewesen

Die Lösung? Ein gemeinsames Wirtschaftspapier, das beide Regierungen vor dem informellen EU-Gipfel am 12. Februar präsentieren werden. Zentrale Forderungen:

  • Bürokratieabbau in der EU
  • Vertiefung des Binnenmarktes
  • Schnellere Genehmigungsverfahren
  • Technologische Neutralität statt Verbote
  • Mehr Handelsabkommen (MERCOSUR als Vorbild)

Merz betonte, dass eine Vertiefung des Binnenmarktes für Deutschland und Italien jeweils 2–3% zusätzliches Wachstum bringen könnte. [Bundeskanzler]

3. Migration: Deutschland schließt sich italienischem Kurs an

Deutschland wird Teil der informellen Arbeitsgruppe „gleichgesinnter Länder" – eine Initiative, die Italien anführt und die für eine härtere Migrationspolitik eintritt.

Konkret bedeutet das:

  • Bekämpfung von Menschenhandel und illegaler Migration
  • Stärkung von Rückführungen
  • Enge Zusammenarbeit mit Herkunftsländern (Italien setzt auf Deals mit nordafrikanischen Staaten)
  • Bilaterales Polizeiabkommen zwischen Deutschland und Italien

Merz dankte Meloni ausdrücklich für ihre Vorarbeit: „Nur durch diese Zusammenarbeit war es möglich, dass wir die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems in Brüssel durchgesetzt haben." [Bundeskanzler]

Warum ist das wichtig?

Deutschland und Italien sind die beiden größten Industrienationen der EU. Ihre Volkswirtschaften sind eng miteinander verzahnt – enger als mit fast jedem anderen europäischen Land.

Wenn diese beiden Schwergewichte gemeinsame Sache machen, hat das Gewicht in Brüssel. Beobachter sprechen bereits von einer neuen „Achse Berlin-Rom" – eine Anspielung auf die historisch belastete Formulierung, die vor allem zeigt: Diese Partnerschaft hat Sprengkraft.

Was bedeutet das für Frankreich?

Die Frage wurde in der Pressekonferenz direkt gestellt: Ersetzt Italien nun Frankreich als engsten Partner Deutschlands?

Meloni tat die Frage als „Kinderei" ab. Merz betonte, dass es keine Hierarchie in den Beziehungen gebe. Aber beide lächelten dabei – wie ein „ertapptes Liebespaar", schrieb die Presse. [ZDF]

Fakt ist: Deutschland und Frankreich sind derzeit über viele Themen uneinig – von der Wirtschaftspolitik bis zur Energiepolitik. Die Annäherung an Italien füllt eine Lücke.

Reaktionen: Wer sagt was?

EVP-Chef Manfred Weber

Weber kann sich sogar einen deutsch-italienischen Freundschaftsvertrag nach französischem Vorbild vorstellen: „Italien und Deutschland sind Garanten der europäischen Einigung." [Mannheim24]

Italienische Medien

In Italien wird die Annäherung bejubelt. Meloni habe bewiesen, dass Italien „mutig" sei und „über Fragen sprechen könne, die gut für Europa sind – auch wenn es nicht immer bequem ist". [Bundeskanzler]

Deutsche Presse

Die deutsche Presse ist gespalten. Während konservative Medien die Partnerschaft loben, warnen linke Stimmen vor einer Normalisierung von Melonis rechter Regierung.

Die Grönland-Frage: Einig in der Krise

Merz und Meloni hatten sich bereits am Vorabend der Konsultationen in Brüssel getroffen – beim außerordentlichen EU-Gipfel zur Grönland-Krise.

Beide vertraten dort die gleiche Linie: Europa muss geschlossen bleiben, aber die USA nicht unnötig provozieren. Gleichzeitig wollen beide die Arktis-Strategie der NATO stärken.

Merz formulierte es so: „Europa muss und wird mehr für die Sicherung der Arktis tun. Das ist im gemeinsamen transatlantischen Interesse." [Bundeskanzler]

Ausblick: Was kommt jetzt?

Die Ergebnisse der Konsultationen werden in den kommenden Wochen konkretisiert. Wichtige Termine:

  • 12. Februar: Informeller EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit – Deutschland und Italien präsentieren ihr Wirtschaftspapier
  • Frühjahr 2026: Erste gemeinsame Rüstungsprojekte sollen starten
  • 2026: 75 Jahre diplomatische Beziehungen – geplant ist eine „Goethe-Kulturroute" durch Italien

Merz und Meloni haben angekündigt, regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Die nächsten Regierungskonsultationen sind bereits geplant.

Fazit: Eine neue Ära für Europa?

Die Regierungskonsultationen in Rom markieren einen Wendepunkt. Deutschland und Italien – zwei Länder mit sehr unterschiedlichen politischen Kulturen – haben einen gemeinsamen Kurs gefunden.

Die Frage ist: Wird diese Partnerschaft Europa stärken – oder spalten? Werden Frankreich und andere Länder mitziehen? Oder entsteht ein neuer Konflikt zwischen „Südschiene" und „Nordschiene"?

Eines ist klar: Die neue „Achse Berlin-Rom" wird die europäische Politik prägen. Zum Guten – oder zum Schlechten.

Quellen: Bundeskanzler · BMVG · Euronews · ZDF