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Wetter & Infrastruktur

Sturmtief „Elli" legt Deutschland lahm: Schneechaos, Schulschließungen, Verkehrskollaps

Karikatur: Sturmtief Elli als wirbelnde Schneemasse über blockierter Autobahn

Gewaltiger Wintersturm: Elli bringt Deutschland an seine Grenzen – selten seit 2010.

Deutschland erlebt den heftigsten Wintersturm seit 2010. Sturmtief „Elli" fegt mit Orkanböen, massivem Schneefall und Glatteis über das Land. Ganz Niedersachsen, Bremen und Hamburg schließen die Schulen. Volkswagen stoppt die Produktion in Emden. Die Deutsche Bahn stellt den Fernverkehr im Norden komplett ein. Bis zu 20 cm Neuschnee in wenigen Stunden – und es wird noch kälter.

Die wichtigsten Punkte

  • Schneechaos im Norden: 10 bis 20 cm Neuschnee, in Staulagen bis 40 cm. Schneeverwehungen durch Ostwind. [Tagesspiegel]
  • Orkanböen: An der Nordsee bis 100 km/h, auf Helgoland bis 115 km/h. Im Südwesten Sturmböen bis 90 km/h. [wetter.com]
  • Schulen geschlossen: Ganz Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Teile Schleswig-Holsteins und Bayerns. [ADAC]
  • VW stoppt Produktion: Werk Emden stellt beide Schichten ein – wegen Wetterlage und Problemen in Lieferketten. [ADAC]
  • Bahn stellt Fernverkehr ein: Im Norden Deutschlands bis mindestens Mittag kein Fernverkehr. Hannover als Drehkreuz lahmgelegt. [ZDF Liveticker]
  • Gefühlte Temperaturen: Im Norden und Osten -11 bis -16 Grad. [wetter.de]

Hintergrund: Selten seit 2010

Sturmtief Elli ist eine „brisante Wetterlage", wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner Prognose vom 9. Januar (9:09 Uhr) schreibt. [Tagesspiegel] Meteorologe Tobias Reinartz: „Dass da aber etwas im Busch steckt, steht außer Frage."

Das Besondere: Elli bringt zwei extrem unterschiedliche Luftmassen zusammen. Aus Südwesten strömt milde Atlantikluft ins Land, aus Nordosten polare Kaltluft. Genau an dieser Grenze entsteht der Schneesturm – mit Verwehungen, Glatteis und regional sogar gefrierendem Regen. [wetter.com]

Einen vergleichbaren Schneesturm gab es zuletzt 2010. [Tagesspiegel]

Die aktuellen Warnungen

Der DWD hat für große Teile Norddeutschlands Warnstufe 3 von 4 (Unwetter) ausgerufen. Betroffen: Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Teile Thüringens, Sachsen-Anhalts und der Südosten Bayerns. [ADAC]

Für den Rest des Landes gilt Warnstufe 2 (markante Glättegefahr).

Karikatur: Split-Screen zeigt vier Szenen – Schulen geschlossen, VW-Werk gestoppt, Bahnhof im Chaos, Autobahn blockiert

Deutschland im Ausnahmezustand: Vier Szenen, ein Sturm – Elli legt das öffentliche Leben lahm.

Die Lage vor Ort: Vier Beispiele

1. Schulschließungen in Niedersachsen, Bremen, Hamburg

In ganz Niedersachsen, Bremen und Hamburg bleiben am Freitag, 9. Januar, die Schulen geschlossen. [ADAC] Auch in Teilen Schleswig-Holsteins, Bayerns, Thüringens, Sachsen-Anhalts und Brandenburgs fällt der Präsenzunterricht aus oder Eltern können ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. [t-online]

Begründung: Keine Schulbusse fahren, die Sicherheit der Schüler kann nicht garantiert werden.

2. VW stoppt Produktion in Emden

Wegen der Extremwetterlage lässt Volkswagen am Freitag in Emden die Produktion ruhen. Beide Schichten fallen aus, die Bänder stehen still. [ADAC]

Ein eigentlich für Ende Januar geplanter Ruhetag wurde auf diesen Freitag vorgezogen. Grund: Die Wetterlage und daraus folgende Probleme für Mitarbeiter und Lieferketten. In Emden werden die Elektromodelle ID.4 und ID.7 gebaut.

3. Deutsche Bahn stellt Fernverkehr im Norden ein

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr im Norden Deutschlands bis mindestens zum Mittag komplett eingestellt. [ZDF Liveticker] Betroffen: Alle Verbindungen von und nach Hamburg, Kiel, Rostock, Rügen, Norddeich, Emden.

Der Grund: Der gesamte Schienenverkehr im Großraum Hannover ist eingestellt. „Eines unserer wichtigsten Drehkreuze ist betroffen und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich", heißt es in einer Mitteilung.

Auch die Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin sowie Berlin und NRW sind betroffen. [ZDF Liveticker]

Bahnsprecher Achim Stauß im ZDF-Morgenmagazin: „Wir wollen natürlich auch nicht in unsicheren Situationen Züge auf die Strecke schicken, die dann vielleicht das Ziel nicht erreichen oder nicht wieder zurückfahren können. Da ist es besser, den Zug am Bahnhof zurückzuhalten." [t-online Liveticker]

Entspannung wird ab Samstag erwartet.

Was können Reisende tun?

  • Wer bereits ein Ticket für Donnerstag, Freitag oder Samstag gekauft hat, kann es auch an einem späteren Tag verwenden
  • Die Zugbindung ist aufgehoben
  • Reservierte Sitzplätze können kostenfrei storniert werden

4. Autobahnen blockiert: A4, A5, A7 in Osthessen

In Osthessen sind drei Autobahnen in beide Richtungen blockiert: die A7, die A4 und die A5. Grund: festgefahrene und querstehende Lastwagen. [t-online Liveticker]

  • A4: zwischen Kirchheimer Dreieck und Friedewald (Kreis Hersfeld-Rotenburg)
  • A5: vom Hattenbacher Dreieck bis Alsfeld Ost (Vogelsbergkreis)
  • A7: zwischen Homberg und Bad Hersfeld

Die Polizei ist damit beschäftigt, das Verkehrschaos zu beheben. Der ADAC warnt: „Bei Straßenglätte ist es am wichtigsten, besonders vorausschauend und umsichtig zu fahren und genügend Abstand einzuhalten. Auf nicht unbedingt notwendige Fahrten sollte man am besten ganz verzichten." [ADAC]

Warum das wichtig ist

Sturmtief Elli zeigt, wie verletzlich die Infrastruktur ist – selbst in einem hochentwickelten Land wie Deutschland. Wenn ein Schneesturm Millionen Menschen betrifft, gleichzeitig Schulen, Fabriken, Züge und Autobahnen lahmlegt, wird klar: Klimawandel hin oder her – der Winter kann immer noch zuschlagen.

Der Klimawandel-Kontext

Klimatologen betonen: Auch in Zeiten des Klimawandels fällt der Winter nicht vollständig aus. Die Zahl der Tage mit Schneedecke hat bundesweit zwar deutlich abgenommen – im Vergleich zur Referenzperiode 1961–1990 um rund 35 Tage. [Tagesspiegel]

Aber: Die polare Kaltluft, die sich im dunklen Winterhalbjahr über dem Norden ansammelt, kann je nach Wetterlage jederzeit bis nach Mitteleuropa vorstoßen – und dann wird es auch hier eisig. [Tagesspiegel]

DWD-Klimatologe Andreas Walter: „Auch in Zeiten des Klimawandels fällt der Winter nicht vollständig aus." Ein Wintersturm wie Elli sei selten geworden – aber eben nicht unmöglich.

Weitere Entwicklungen

Fährverkehr eingestellt

Der Fährverkehr an der niedersächsischen Nordseeküste ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Mehrere Inseln sind derzeit nicht per Schiff erreichbar – darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge. [ZDF Liveticker]

Problem: Der starke Ostwind drückt das Wasser von der Küste weg. Fähren können dann nicht oder nur eingeschränkt fahren.

Hamburg streicht Wochenmärkte

Wegen des Wintersturms finden einige Wochenmärkte in Niedersachsen nicht wie geplant statt. Die Küstenstädte Emden und Wilhelmshaven haben ihre Wochenmärkte für heute und morgen abgesagt. [ZDF Liveticker]

Berlin und Brandenburg: Entwarnung

Der DWD hat seine Unwetterwarnung für Berlin und Brandenburg zurückgezogen. Ein Sprecher sagte: „Wir sehen keine Gefahr für Leib und Leben." Der angekündigte Schneefall bleibe in weiten Teilen Brandenburgs und Berlin aus. [t-online Liveticker]

Folgen & Ausblick: Kälte bleibt

Am Samstag, 10. Januar, gehen die Schauer auch im Südwesten wieder in Schnee über. Lassen von Norden her aber allmählich nach. [wetter.de]

Die Kälte bleibt: Besonders im Nordosten könnte sich der Schnee bis mindestens Mitte nächster Woche halten. Dort sind in diesem Zeitraum sehr kalte Tage zu erwarten. Nachts könnten die Temperaturen auf bis zu -15 Grad sinken. [Tagesspiegel]

Modelle des europäischen Wetterdienstes ECMWF simulieren wiederholt eine geschlossene Schneedecke von Osteuropa bis nach Frankreich – und das teils deutlich über die Monatsmitte hinaus. [Tagesspiegel]

Der Januar 2026 startet damit nicht nur winterlich – vor allem im Nordosten könnte sich die winterliche Witterung länger halten als in den vergangenen Jahren.