Kurz & Klar: 7.700 € Abgeordneten-Pension vs. 1.100 € Durchschnittsrente
Die Linke will, dass Abgeordnete wie normale Bürger in die Rentenkasse einzahlen. Am 14. November gab es eine Debatte im Bundestag. Sarah Vollath (Linke) nannte das aktuelle System „schamlos". Die Koalition (SPD, Grüne, CDU, FDP) lehnte den Antrag ab – obwohl SPD und Grüne das eigentlich selbst fordern.
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Zwei parallele Wege: Einer für Abgeordnete (7.700 €), einer für normale Rentner (1.100 €).
Was ist passiert?
Am 14. November 2025 debattierte der Bundestag über einen Antrag der Linken. Die Linke will, dass Bundestagsabgeordnete wie normale Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Sarah Vollath (Linke) hielt eine Rede. Sie sagte: „Es ist schamlos, dass wir uns hier im Bundestag ein komfortables Alterskissen basteln, während draußen Millionen Rentner Pfandflaschen sammeln müssen." Bundestag Live 01:14:37
Die Koalition (SPD, Grüne, CDU, FDP) lehnte den Antrag ab. Er wurde an die Ausschüsse überwiesen – das bedeutet: er wird wahrscheinlich nicht umgesetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach 26 Jahren im Bundestag bekommen Abgeordnete bis zu 7.700 € Pension.
- Ein normaler Arbeitnehmer bekommt nach 26 Jahren höchstens 2.121 € Rente – selbst wenn er den Höchstbeitrag gezahlt hat.
- Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt bei 1.100 € – das ist unterhalb der Armutsgrenze.
- SPD-Chef Lars Klingbeil sagte früher: „Ich möchte gerne im Rentensystem drin sein." Trotzdem stimmte die SPD gegen den Antrag.
- Auch die Grünen fordern in ihrem Programm, dass Abgeordnete in die Rentenkasse einzahlen. Trotzdem stimmten sie gegen den Antrag.
Was ist das Problem?
Es gibt zwei verschiedene Systeme
In Deutschland gibt es zwei verschiedene Systeme für die Altersversorgung:
System 1 – Für normale Arbeitnehmer:
Wer arbeitet, zahlt jeden Monat Beiträge in die Rentenkasse ein (18,6% vom Gehalt). Am Ende des Arbeitslebens bekommt man eine Rente. Diese Rente ist davon abhängig, wie viel man sein Leben lang verdient hat.
System 2 – Für Abgeordnete:
Abgeordnete zahlen keine Beiträge in die Rentenkasse ein. Ihre Pension wird direkt aus Steuern bezahlt. Die Höhe hängt nur davon ab, wie lange sie im Bundestag waren.
Die Zahlen im Vergleich
Nach 8 Jahren:
- Abgeordnete bekommen: 2.366 € Pension
- Normale Arbeitnehmer bekommen: ca. 509 € Rente (bei Durchschnittslohn)
Nach 26 Jahren:
- Abgeordnete bekommen: 7.691 € Pension
- Höchstverdiener bekommen: 2.121 € Rente (selbst wenn sie 26 Jahre lang den Höchstbeitrag gezahlt haben)
Die Realität für die meisten Menschen:
- Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt bei 1.100 €
- Das ist unterhalb der Armutsgrenze
- 31% der Rentner sind armutsgefährdet – selbst nach 45 Jahren Arbeit
Warum ist das so?
Die CDU/CSU sagt: Abgeordnete brauchen eine besondere Versorgung. Das steht im Grundgesetz (Artikel 48). Abgeordnete sollen „unabhängig" sein und keine finanziellen Sorgen haben.
Die Linke sagt: Das ist ungerecht. Warum sollen Abgeordnete ein besseres System haben als normale Arbeitnehmer?
Was sagen SPD und Grüne?
Das SPD-Problem: Klingbeil sagt A, stimmt aber für B
Lars Klingbeil ist der Chef der SPD. Er sagte in einem Podcast:
„Als Politiker ist es für mich völlig unverständlich, warum wir in einem anderen System sind. Ich möchte gerne im gesetzlichen Rentensystem drin sein. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit." Quelle
Aber: Am 14. November stimmte die SPD gegen den Antrag der Linken. Einen Tag später (15. November) sagte Klingbeil, er schließe „Änderungen an Rentenpaket aus". Deutschlandfunk
Sarah Vollath (Linke) sagte dazu: „Gefahr erkannt, Gefahr mal wieder nicht gebannt!" Bundestag Live 01:16:36
Das Grüne-Problem: Programm sagt A, Abstimmung ist B
Die Grünen fordern in ihrem Programm offiziell, dass Abgeordnete in die Rentenkasse einzahlen sollen. Grüne Bundestag
Aber: Am 14. November stimmten die Grünen gegen den Antrag der Linken.
Warum stimmen SPD und Grüne dagegen?
Der Grund ist vermutlich die Koalition. SPD und Grüne regieren zusammen mit CDU und FDP. Die CDU will das System nicht ändern. Um die Koalition nicht zu gefährden, stimmen SPD und Grüne mit.
Sarah Vollath (Linke) sagte: „Die SPD wird wieder einmal die soziale Gerechtigkeit opfern für den Koalitionsfrieden." Bundestag Live 01:16:47
Wer ist dafür? Wer ist dagegen?
Dafür (Abschaffung der Privilegien):
- Die Linke (haben den Antrag gestellt)
- Die AfD (haben einen eigenen ähnlichen Antrag gestellt)
Dagegen (wollen das System behalten):
- CDU/CSU (sagen: Grundgesetz fordert besondere Versorgung)
- SPD (obwohl Klingbeil etwas anderes sagt)
- Grüne (obwohl ihr Programm etwas anderes sagt)
- FDP (haben sich nicht öffentlich geäußert)
Gibt es das in anderen Ländern auch?
Nein, nicht überall. In vielen Ländern zahlen Abgeordnete wie normale Arbeitnehmer in die Rentenkasse ein.
Länder mit Sondersystemen (wie Deutschland): Dänemark, Frankreich, Irland, Schweden, Vereinigtes Königreich
Länder ohne Sondersysteme: Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien, Griechenland, Tschechien, Ungarn Wissenschaftlicher Dienst
Was passiert jetzt?
Der Antrag wurde an die Ausschüsse überwiesen. Dort wird er von der Koalitionsmehrheit wahrscheinlich abgelehnt. Die Linke will das Thema im Wahlkampf nutzen.
Die Debatte zeigt aber: SPD und Grüne sagen etwas anderes als sie tun. Das könnte ihnen bei der nächsten Wahl schaden.
Warum ist das wichtig?
Die Zahlen sprechen für sich: 7.700 € gegen 1.100 €. Das ist Faktor 7.
Viele Menschen arbeiten 45 Jahre und bekommen am Ende eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Gleichzeitig sichern sich Abgeordnete nach nur 8 Jahren eine Pension von über 2.300 €.
Die Frage ist: Ist das noch gerecht?