In 8 Tagen wählt Rheinland-Pfalz – und niemand weiß, wer gewinnt.
Am 22. März 2026 findet die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz statt. Aktuell liegen CDU und SPD fast gleichauf: CDU bei rund 28–29 Prozent, SPD bei 26–28 Prozent. Und dann ist da noch die AfD – die sich seit der letzten RP-Wahl 2021 fast verdoppelt hat und auf rund 19 Prozent zusteuert. Ein Bundesland, das jahrzehntelang SPD-Stammland war, könnte in 8 Tagen eine komplett neue politische Landschaft bekommen.
Was auf dem Spiel steht
Rheinland-Pfalz war über Jahrzehnte das solideste SPD-Land in Deutschland. Malu Dreyer regierte das Bundesland von 2013 bis 2023, dann übergab sie an Alexander Schweitzer – der jetzt als SPD-Amtsinhaber in die schwierigste Wahl seiner Partei zieht. Die SPD kämpft nicht nur gegen die CDU um Platz 1, sondern auch um die Frage, wer überhaupt eine Koalition bilden kann.
Das Problem für Schweitzer: Die AfD ist in Umfragen so stark wie nie in RP. Mit rund 19 Prozent verdoppelt sie ihr 2021er Ergebnis von knapp 10 Prozent. Das hat direkte Auswirkungen auf die Koalitionsarithmetik – denn CDU, SPD, Grüne und FDP schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Eine Partei, die fast ein Fünftel der Stimmen holt, sitzt einfach in der Opposition. Das macht Mehrheiten komplizierter.
Warum die AfD so stark ist – und was sich geändert hat
Vor zwei Wochen hat der Verfassungsschutz die Einstufung der AfD als "gesichert rechtsextrem" aufgehoben. Die rechtliche Grundlage war weggefallen. Das bedeutet: Die AfD kann jetzt in RP Wahlkampf machen ohne den Makel des offiziellen Extremismus-Stempels. Ob das die letzten Umfrage-Prozente erklärt oder nicht – es ist zumindest kein Gegenwind mehr.
Dazu kommt: Die Bundesregierung ist seit Oktober 2025 eine CDU/SPD-Koalition unter Merz. Wer mit der Bundesregierung unzufrieden ist – und das sind viele – wählt Opposition. In Rheinland-Pfalz ist das gerade vor allem: AfD.
Was das für Merz bedeutet
Friedrich Merz braucht ein gutes RP-Ergebnis. Nach der BW-Wahl, die die Grünen knapp gewannen und CDU-intern als Schlag gegen Merz' Gravitationszentrum galt, ist RP die nächste Nagelprobe. Wenn die CDU RP gewinnt: Aufwind, Koalitionsbestätigung, Merz stark. Wenn SPD vorne liegt: Die Fragen, ob die Bundesregierung schon nach 6 Monaten am Kippen ist, werden lauter.
Das macht die RP-Wahl zu mehr als einer Landtagswahl. Es ist der erste echte Stimmungstest für Merz – bundesweit beobachtet, und mit Implikationen weit über Mainz hinaus.
Was noch unklar ist
22 Prozent der Wahlberechtigten sind in Umfragen noch unentschieden. Das ist ein Riesenpuffer. In BW hat der letzte Wahlkampf-Endspurt die Ergebnisse deutlich verschoben – Özdemir drehte 15 Punkte auf und gewann hauchdünn. Sowas ist auch in RP möglich.
Die spannendste Frage ist nicht, wer 1. wird – sondern wer mit wem regiert. CDU + SPD (wieder Große Koalition)? CDU + Grüne? SPD + Grüne + FDP? Alle drei Varianten sind rechnerisch möglich. Keine davon ist sicher.
In 8 Tagen zeigt RP, wohin Deutschland politisch driftet. Das Ergebnis wird lauter sein als die Wahl selbst.