Vor drei Monaten lag Özdemir 15 Punkte hinter Hagel. Gestern Abend haben die Grünen die Wahl gewonnen. Mit 0,5 Prozent Vorsprung.
Das ist das Ergebnis der Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: Grüne 30,2%, CDU 29,7%, AfD 18,7%, SPD 5,6%. FDP bei 4,4% – raus. Linke bei 4,3% – raus. Wahlbeteiligung: 69,6%. So viele Menschen haben in BW zuletzt vor Jahrzehnten gewählt.
Wie Özdemir das gedreht hat
Cem Özdemir hatte einen Plan: nicht Kretschmann sein. Kein Verwalter, keine Amtsmiene, kein "Wir machen das schon irgendwie." Er ist in jeden Winkel des Landes gefahren, hat jeden Handschlag mitgenommen, hat die CDU immer wieder in persönliche Duelle gezwungen – und Hagel hat dabei meist schlechter ausgesehen.
Das Ergebnis ist ein politisches Comeback, das in der Nachkriegsgeschichte der Grünen seinesgleichen sucht. 15 Punkte Rückstand, aufgeholt in einem Bundesland, das die CDU 58 Jahre lang regiert hat. Grün-Schwarz regiert BW seit 2011 – aber das hier war kein Selbstläufer. Das war ein Kampf.
Was der Abend wirklich sagt
Drei Zahlen, die bleiben: Die CDU unter Hagel verliert gegen einen Grünen in einem Land, das historisch schwarz ist. Die FDP fliegt aus dem vierten Landtag in Folge. Und die AfD landet bei fast 19 Prozent – ihr bestes BW-Ergebnis jemals.
Das dritte Ergebnis ist das, über das gerade zu wenig geredet wird. 18,7% AfD in Baden-Württemberg – im wohlhabendsten, wirtschaftlich stabilsten Flächenland Deutschlands. Das ist kein Protest aus der Armut, das ist kein Ostphänomen mehr. Das ist Mitte. Das ist Mittelstand. Das ist Stuttgart-Umland.
Hagel hat eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Das bleibt er der CDU schuldig. Aber die Partei muss sich jetzt fragen, warum fast jeder fünfte BW-Wähler woanders hingegangen ist.
Was jetzt kommt
Grün-Schwarz hat eine stabile Mehrheit – die Koalition kann weiterlaufen. Özdemir wird Ministerpräsident. Die Frage ist, welche Bedingungen Hagel stellt und ob die Grünen bereit sind, das dritte Mal in Folge den Juniorpartner zu spielen.
Für Berlin ist das Ergebnis ein Signal: Die Grünen sind nach dem Bundeswahl-Debakel nicht erledigt. Mit dem richtigen Gesicht, der richtigen Energie, kann man CDU-Territorium halten – sogar in Zeiten, in denen die eigene Partei bundesweit bei 12% dümpelt.
Und für die CDU unter Merz? Sein BW-Kandidat hat gerade knapp verloren. Das wird in der Fraktion Spuren hinterlassen.