Merz ist heute in Oslo. Zuhause warten Wirtschaftskrise, 59% Negativrating und die nächste Landtagswahl. Prioritäten.
Friedrich Merz hat am 12. März 2026 Norwegen besucht – Thema: Energie. Deutschland will seine Abhängigkeit von russischem Gas dauerhaft ersetzen, Norwegen ist der wichtigste Lieferant. Der Besuch ist außenpolitisch sinnvoll, keine Frage. Norwegen liefert bereits rund ein Drittel des deutschen Gasbedarfs, und langfristige Lieferverträge sind für die Versorgungssicherheit wichtig.
Aber der Kontrast ist schwer zu ignorieren.
Was Merz in Oslo tut
Energiesicherheit sichern, Lieferverträge vertiefen, bilaterale Kooperation stärken. Norwegen als verlässlicher Partner für Gas – und mittelfristig für grünen Wasserstoff, den Deutschland dringend brauchen wird. Das ist solide Außenpolitik, die richtig und notwendig ist.
Was zuhause wartet
Vier Wirtschaftsverbände haben letzte Woche Deutschland am "Kipppunkt" der wirtschaftlichen Stagnation verortet. Das ZDF-Politbarometer zeigt: 59% der Deutschen bewerten die Regierungsarbeit als "eher schlecht" – nach nur drei Monaten. Das ist schlechter als die Ampel nach ihren ersten drei Monaten, die bekanntlich gescheitert ist.
Am 22. März wählt Rheinland-Pfalz. CDU liegt nur einen Prozentpunkt vor der SPD. Wenn Merz auch dort verliert, werden die internen Diskussionen über Führungsstil und Wirtschaftskurs deutlich lauter.
Das eigentliche Problem
Energiepolitik ist kein Ersatz für Wirtschaftspolitik. Norwegen-Gas löst nicht, dass die Baugenehmigungen eingebrochen sind, die Investitionen ausbleiben und die Mittelklasse bei Kaufkraft stagniert. Ein Besuch in Oslo macht gute Bilder. Was er nicht macht: die strukturellen Reformdebatten, die Deutschland braucht und die in Berlin noch nicht mal begonnen haben.
Merz hat drei Monate hinter sich. Die Energie-Diplomatie läuft. Die Hausaufgaben liegen noch auf dem Schreibtisch.
Gute Außenpolitik ersetzt keine Innenpolitik. Fragt sich, wann Merz das selbst merkt.