59 Prozent der Deutschen sagen: Merz' Regierung macht einen schlechten Job. Das ist nach neunzig Tagen. Die Ampel war da besser.
Das ZDF-Politbarometer ist raus. Das Ergebnis ist ernüchternd: 59% der Befragten bewerten die Arbeit der Bundesregierung als "eher schlecht". Nur 37% sagen "eher gut". Drei Monate nach Amtsantritt. Das ist kein Ausreißer – das ist ein Starttrend, der sich mit dem BW-Wahlergebnis und den RLP-Umfragen deckt.
Zum Vergleich: Die Ampel-Koalition kam im November 2021 mit ähnlicher Skepsis an – aber 43% bewerteten ihre Arbeit nach drei Monaten als "eher schlecht". Das ist 16 Punkte besser als Schwarz-Rot heute. Und die Ampel ist bekanntlich gescheitert.
Klartext: Friedrich Merz hat zwei Hauptversprechen gemacht: Wirtschaft ankurbeln und klare Kante zeigen. Beides ist bisher ausgeblieben. Das Wachstumsschwäche-Problem – vier Verbände haben es vergangene Woche als "Kipppunkt" bezeichnet – bleibt ungelöst. Der Haushalt ist verabschiedet, aber die Debatte über echte Strukturreformen ist noch nicht mal begonnen.
Dazu kommt der BW-Schock: Die CDU verlor an Özdemir, weil Merz' Kurs viele Wähler in der Mitte nicht überzeugt. Das ist keine Ost-West-Dynamik – das ist Baden-Württemberg. Wohlhabend, konservativ, arbeitend. Wenn dort die CDU verliert, sitzt das Problem nicht nur an der Peripherie.
Was die 59%-Zahl wirklich bedeutet: Merz startet ohne Honeymoon. Normalerweise hat eine neue Regierung sechs bis neun Monate, bevor die Bewertungen so negativ werden. Das ist hier nicht passiert. Entweder die Koalition liefert schnell sichtbare Ergebnisse – oder die Debatten über Führungsstil und Wirtschaftspolitik eskalieren vor der Sommerpause.
Das Timing macht es noch brisanter: In zehn Tagen wählt Rheinland-Pfalz. Ein weiterer Verlust bei 59% Negativrating – das wird selbst treue CDU-Funktionäre zu laut hörbarer Kritik bewegen.
Neunzig Tage, 59% schlecht. Das ist kein Rückschlag. Das ist Ausgangslage.