Morgen ist Wahltag in Rheinland-Pfalz – und die Ausgangslage ist enger als bei jeder Landtagswahl seit Jahrzehnten. CDU und SPD trennen nach aktuellem ZDF-Politbarometer gerade mal zwei Prozentpunkte: 28 zu 26. Zwei Punkte, hinter denen 35 Jahre Macht hängen.
Seit 1991 regiert die SPD das Land. Erst Kurt Beck, dann Malu Dreyer, jetzt Alexander Schweitzer. Eine Ära. Aber Schweitzer kämpft nicht mit einer starken Botschaft – er kämpft damit, dass die Union aufgeholt hat. Gordon Schnieder, CDU-Herausforderer und bislang in Umfragen weitgehend unbekannt, ist nah genug dran, um Ministerpräsident zu werden.
Worum geht es wirklich?
Zwei Szenarien sind möglich. Szenario eins: SPD + Grüne reichen zusammen – unwahrscheinlich bei 7 Prozent für die Grünen und knapp 26 für die SPD. Szenario zwei: CDU wird stärkste Kraft und bildet eine Koalition mit der SPD – aber dann als Juniorpartner. Nach 35 Jahren Führung wäre das eine symbolische Niederlage, auch wenn die SPD noch mitregiert.
Und dann ist da noch die AfD. 19 Prozent. Das ist mehr als alle drei Ampel-Parteien zusammen und ein neuer Höchstwert für die Rechtsaußen in Rheinland-Pfalz. Koalitionspartner wird sie nicht – CDU und SPD haben das ausgeschlossen. Aber ihr Wählerblock zwingt die Volksparteien in eine engere Umarmung.
Was die Zahlen verschweigen
Rheinland-Pfalz ist kein Trend-Barometer wie Hessen oder Bayern. Es ist ein Flächenland mit starkem ländlichem Anteil, BASF-Region, Weinbau und strukturellen Verwerfungen im Norden. Die Themen dort sind: Infrastruktur, Bahn, Jobs in der Chemiebranche, steigende Mieten in Mainz. Themen, bei denen weder CDU noch SPD besonders klare Antworten haben.
Die CDU setzt auf Schnieder als „frischen Kopf" – dabei ist er seit Jahren im Landtag. Die SPD setzt auf Schweitzers Amtsinhaberbonus – dabei regiert er seit kaum zwei Jahren. Keiner der beiden hat einen echten Vorsprung an Sympathie.
Was morgen passiert
Wahlberechtigt sind 3,1 Millionen Menschen. Briefwahl-Rücklauf war hoch – das begünstigt erfahrungsgemäß etablierte Parteien. Erste Hochrechnungen kommen gegen 18:15 Uhr.
Egal wer gewinnt: Die AfD-Fraktion im Landtag wird größer sein als je zuvor. Und die alte Mehrheitsmathematik ist Geschichte – ob CDU oder SPD regiert, ohne den anderen geht es nicht mehr.
Morgen früh hat Rheinland-Pfalz seinen ersten neuen Kurs in einer Generation. Oder es bleibt beim alten – aber nur knapp.