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68 Millionen Akten: Jetzt kannst du deine Schufa gratis prüfen
Wirtschaft & Verbraucher

68 Millionen Akten: Jetzt kannst du deine Schufa gratis prüfen

Ein überraschter Bürger schaut auf sein Smartphone, auf dem sein Schufa-Score sichtbar wird – im Hintergrund das Schufa-Gebäude in Wiesbaden.

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68 Millionen Deutsche haben eine Schufa-Akte. Die meisten wissen nicht, was darin steht.

Das ändert sich jetzt. Ab Ende März 2026 müssen alle Bürgerinnen und Bürger ihren Schufa-Score kostenlos, vollständig und digital einsehen können — ohne Postweg, ohne Jahresabo, ohne Warteschleife. Die rechtliche Grundlage: eine Kombination aus dem BGH-Urteil von 2023 und den verschärften Transparenzpflichten unter dem EU AI Act, die ab diesem Frühjahr vollständig greifen.

Das klingt technisch. Die Konsequenzen sind sehr konkret.

Was die Schufa über dich weiß

Die Schufa-Akte enthält mehr als nur einen Score. Drin stehen: alle Kreditverträge, Ratenzahlungsvereinbarungen, Handyverträge, Girokonten, Kreditkarten und — entscheidend — jede Anfrage, die jemand in deinem Namen gestellt hat. Auch negative Einträge wie gemeldete Zahlungsausfälle, Insolvenzen oder Mahnbescheide.

Bis heute mussten Verbraucher dafür entweder ein kostenpflichtiges Abo abschließen oder die kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO schriftlich anfordern — per Post, mit Wartezeit, auf einem Formular das die Schufa nicht besonders leicht zugänglich gemacht hat. Das Ergebnis: Die meisten Menschen haben ihre Akte nie gesehen.

Warum das jetzt relevant ist

Fehler in der Schufa-Akte sind häufiger als gedacht. Veraltete Einträge, falsch zugeordnete Schulden, Einträge über längst bezahlte Raten — all das senkt den Score und kann dazu führen, dass Wohnungsbewerbungen scheitern, Kreditanfragen abgelehnt werden oder der Handyvertrag auf Prepaid umgestellt wird.

Der BGH hat 2023 klargestellt: Die Schufa darf den Score-Algorithmus nicht mehr als Geschäftsgeheimnis behandeln. Verbraucher haben ein Recht darauf zu verstehen, warum ihr Score so ist wie er ist. Die neue digitale Pflichtauskunft ab Ende März setzt das erstmals praktisch um.

Wie die Einsicht ab März funktioniert

Die Schufa muss eine digitale Plattform bereitstellen, über die Verbraucher sich mit ihrem Personalausweis (eID) oder einem gleichwertigen Verfahren identifizieren und die vollständige Akte einsehen können. Die Auskunft muss innerhalb von 24 Stunden verfügbar sein.

Was du beim Lesen prüfen solltest: Sind alle Einträge korrekt? Sind abgelaufene Einträge bereits gelöscht (Löschfristen: drei Jahre nach Zahlung bei Mahnbescheiden, sofort bei Irrtum)? Gibt es Einträge über Konten oder Verträge, die du nicht kennst?

Wer Fehler findet, hat das Recht auf sofortige Korrektur oder Löschung — und die Schufa muss binnen 30 Tagen reagieren. Tut sie es nicht, ist das DSGVO-widrig und kann beim Landesbeauftragten für Datenschutz gemeldet werden.

Was die Schufa lieber nicht betont

Auch mit der neuen Pflichtauskunft gibt es eine wichtige Einschränkung: Während du deinen eigenen Score siehst, sehen Vermieter und Banken einen anderen Score — sogenannte branchenspezifische Scores, die je nach Anfragender variieren. Den Wohnungsvermietungs-Score bekommst du nicht automatisch zu sehen.

Das ist kein Zufall. Es ist das Kerngeschäft der Schufa: Informationsasymmetrie als Produkt. Verbraucheranwälte fordern seit Jahren die vollständige Offenlegung aller branchenspezifischen Scores — bisher ohne Erfolg.

Die neue Pflichtauskunft ist ein echter Fortschritt. Aber das vollständige Bild bleibt noch eine Forderung.

@bessernews

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