Trump nennt NATO-Verbündete "Feiglinge" — und schickt gleichzeitig 2.500 Soldaten mehr ins Kriegsgebiet.
Am Freitagabend explodierte Donald Trumps Truth Social. "Ohne die USA ist die NATO ein Papiertiger", schrieb der US-Präsident. Deutschland und andere Partner hätten einen "sehr dummen Fehler" begangen, als sie die Bitte ablehnten, bei der militärischen Sicherung der Hormuzstraße zu helfen. Sein Urteil: "Feiglinge."
Gleichzeitig verkündete Trump: Die USA stünden kurz vor ihren Kriegszielen. Eine Feuerpause? Nein danke — "man vereinbart keine Waffenruhe, wenn man die andere Seite gerade vernichtet."
Nur: Während Trump den baldigen Sieg verkündet, verlegt das US-Militär drei weitere Kriegsschiffe und 2.500 Marinesoldaten von San Diego aus in den Nahen Osten. Klingt nicht nach Kriegsende.
Der Widerspruch ist nicht subtil. Wer den Krieg "fast vorbei" nennt, schickt keine Verstärkung in vier Ziffern. Entweder stimmt die Siegesmeldung nicht — oder jemand im Weißen Haus hat keinen Plan. Beides ist möglich. Beides ist beunruhigend.
Deutschland hat richtig entschieden. Die Hormuzstraße ist kein deutsches Kriegsziel. Kein UN-Mandat, kein gemeinsames Bündnisziel, kein Ende in Sicht — und Trump erwartet, dass Bundeswehr-Soldaten für einen US-geführten Krieg einsteigen, der ohne Parlamentsbeschluss und ohne klare Exit-Strategie begann? Das nennt man nicht Feigheit. Das nennt man Verfassungspflicht.
Selbst Teheran lacht. Irans Oberster Führer Chamenei analysierte Trumps Außenpolitik dieser Tage treffend: "Der Feind ist verwirrt und in Widersprüche und irrationale Erklärungen verfallen." Wenn der Kriegsgegner klarer sieht als der Angreifer — ist das kein gutes Zeichen.
Was wirklich passiert: Trump baut seinen Sündenbock schon jetzt auf. Wenn der Krieg nicht wie versprochen "schnell" endet — und danach sieht es nicht aus — ist der Schuldige bereits benannt: die feigen Verbündeten. Nicht er. Nicht die Strategie. Nicht das Chaos im eigenen Lager.
Das Muster kennen wir: Erst schimpfen, dann Verantwortung abgeben. Repeat.
Die NATO braucht keine amerikanische Schelte — sie braucht Klarheit darüber, wohin diese Koalition führt. Und Deutschland täte gut daran, diesen Klartext einzufordern: Kriegsziele nennen, Exit-Plan vorlegen, oder das Gespräch beenden.
Wer keinen Plan hat, aber trotzdem Verbündete beschimpft — der ist nicht stark. Der ist hilflos.