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Einfache Sprache

Was beim Stahlgipfel beschlossen wurde – einfach erklärt

Merz und Klingbeil verkünden die Ergebnisse des Stahlgipfels

Bundeskanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil präsentieren die Ergebnisse des Stahlgipfels.

Gestern Nacht fand im Kanzleramt ein wichtiges Treffen statt – der Stahlgipfel. Heute Morgen haben Kanzler Merz (CDU) und Vizekanzler Klingbeil (SPD) verkündet, was beschlossen wurde. Die deutsche Stahlindustrie ist in der Krise – die Regierung will helfen. Aber es gibt auch Kritik.

📌 Warum ist das wichtig?

In Deutschland arbeiten über 600.000 Menschen direkt oder indirekt für die Stahlindustrie. Wenn Stahlwerke schließen, verlieren viele ihre Jobs. Ganze Städte könnten ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Deutschlandfunk

Die wichtigsten Punkte ganz einfach

  • Beschluss 1 – Günstigerer Strom: Ab dem 1. Januar 2026 bekommen Stahlwerke günstigeren Strom. Das nennt sich „Industriestrompreis". Die EU hat das erlaubt. ZDF
  • Beschluss 2 – Höhere Zölle: Deutschland will auf EU-Ebene höhere Zölle gegen billigen Stahl aus dem Ausland (vor allem aus China und Russland). Das soll deutsche Stahlwerke schützen. Kleine Zeitung
  • Der Haken – Die „50%-Regel": Die EU hat strenge Regeln aufgestellt. Stahlwerke dürfen nur 50 % ihres Stroms günstiger bekommen. Und sie müssen mindestens 50 % des gesparten Geldes in umweltfreundliche Technologien investieren. Gallehr Rechtsanwälte
  • Was sagt die Gewerkschaft? Die IG Metall findet die Pläne gut. Aber sie fordert von den Stahlkonzernen: „Wenn ihr jetzt Hilfe bekommt, müsst ihr auch die Arbeitsplätze in Deutschland sichern." IG Metall
  • Was sagen andere Parteien? Die Meinungen sind sehr unterschiedlich. Die FDP sagt: „Das ist zu viel Staat!" Die Linke sagt: „Das reicht nicht – der Staat muss mehr machen!" Die AfD sagt: „Die ganze grüne Politik ist falsch!" FDP · Die Linke · AfD

Was ist das Problem der Stahlindustrie?

Stahl herzustellen kostet in Deutschland sehr viel Geld. Der Grund: Strom ist hier sehr teuer – viel teurer als in vielen anderen Ländern. Für Stahlwerke ist das ein großes Problem, weil sie enorm viel Energie brauchen.

Gleichzeitig kommt sehr billiger Stahl aus China und anderen Ländern nach Europa. Dieser Stahl ist oft so günstig, dass deutsche Firmen nicht mithalten können. Das führt dazu, dass Werke schließen und Menschen ihre Arbeit verlieren.

Was wurde jetzt beschlossen?

Die Regierung hat zwei große Maßnahmen angekündigt:

1. Der Industriestrompreis

Ab Januar 2026 sollen Stahlwerke deutlich weniger für Strom bezahlen. Das ist wichtig, weil hohe Stromkosten der Hauptgrund für die Krise sind. Die EU-Kommission hat nach langen Verhandlungen zugestimmt. ZDF

Aber es gibt Bedingungen. Die EU sagt: Stahlwerke dürfen nur einen Teil ihres Stroms günstiger bekommen. Und sie müssen die Hälfte des gesparten Geldes in umweltfreundliche Technologien investieren – zum Beispiel in Wasserstoff statt Kohle.

Was bedeutet „Industriestrompreis"?

Das ist ein günstigerer Strompreis für große Fabriken. Stahlwerke, Chemiefirmen und andere Unternehmen, die sehr viel Energie brauchen, zahlen dann weniger. Das soll ihnen helfen, international wettbewerbsfähig zu bleiben.

2. Höhere Zölle gegen billige Importe

Kanzler Merz hat angekündigt: Deutschland setzt sich in der EU dafür ein, dass Stahl aus dem Ausland teurer wird. Das nennt man „Zölle". Wenn Stahl aus China oder Russland importiert wird, muss dafür eine Gebühr bezahlt werden. Das macht den ausländischen Stahl teurer – und deutschen Stahl attraktiver. Kleine Zeitung

Besonders wichtig: Kanzler Merz will, dass Stahlimporte aus Russland komplett gestoppt werden – als Teil der Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine.

Was sagen andere Parteien dazu?

Die Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein.

FDP: „Zu viel Staat!"

FDP-Chef Christian Dürr kritisiert die Pläne scharf. Er sagt: „Das ist Planwirtschaft." Die FDP findet, der Staat sollte sich nicht so stark einmischen. Stattdessen sollten Steuern gesenkt und Bürokratie abgebaut werden. Dürr nannte Kanzler Merz sogar den „ersten sozialistischen Bundeskanzler". FDP

Die Linke: „Das reicht nicht!"

Die Linke sagt genau das Gegenteil. Ines Schwerdtner, Ko-Vorsitzende der Linken, nennt den Gipfel einen „Reinfall". Sie fordert: Der Staat soll sich direkt an den Stahlwerken beteiligen oder sie ganz übernehmen. Nur Geld zu geben, reiche nicht. Die Linke

AfD: „Die grüne Politik ist das Problem!"

Die AfD lehnt die Pläne komplett ab. Alice Weidel sagt: Das Hauptproblem sei die „grüne Politik" – hohe CO₂-Abgaben, teure Energie und zu viel Bürokratie. „Grüner Stahl" sei eine Illusion, in die nur Milliarden verschwendet würden. AfD

Was passiert jetzt?

Die Beschlüsse sind noch nicht final. Der Industriestrompreis muss noch konkret ausgearbeitet werden. Die höheren Zölle müssen auf EU-Ebene beschlossen werden – das kann dauern.

Wichtig ist: Die Gewerkschaft IG Metall wird jetzt auf die Stahlkonzerne Druck machen. Sie sagt: „Wenn ihr staatliche Hilfe bekommt, müsst ihr die Arbeitsplätze in Deutschland sichern – keine Werkschließungen!" IG Metall