Deutsche Bahn: Technischer Fehler verwehrt Tausenden Fahrgästen Entschädigung nach Sturm Elli
Zu kompliziert? 🐿️ Hier geht es zur Version „Kurz & Klar".
Systemfehler bei der Bahn: Tausende Fahrgäste erhielten falsche Ablehnungen.
Nach dem Wintersturm „Elli" ist es bei der Deutschen Bahn zu einer Panne im Entschädigungssystem gekommen. Tausende Fahrgäste, die wegen ausgefallener Züge Anspruch auf Erstattung hatten, erhielten Ablehnungen. Grund: Ein technischer Fehler. Die DB behauptete, Züge seien „nur 1 Minute verspätet" gewesen – obwohl sie komplett ausfielen. Die Bahn entschuldigt sich und verspricht Neubearbeitung. Doch das Vertrauen ist erschüttert.
Die wichtigsten Punkte
- Technischer Fehler: DB-System verarbeitete Entschädigungsanträge nach Sturm Elli fehlerhaft. [dpa-AFX]
- Falsche Ablehnungen: Fahrgäste erhielten Absagen, obwohl ihre Züge komplett ausgefallen waren. [dpa-AFX]
- Beispiel Berlin–Braunschweig: Ein ICE fiel komplett aus – System meldete „1 Minute Verspätung". [dpa-AFX]
- DB entschuldigt sich: Fehler wurde behoben, betroffene Anträge werden neu bearbeitet. [dpa-AFX]
- Zeitraum: Betroffen sind Reisen vom 7. bis 10. Januar 2026. [The Local]
Hintergrund: Was ist passiert?
Wintersturm „Elli" hat vom 7. bis 10. Januar 2026 den Bahnverkehr in Norddeutschland lahmgelegt. Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr im Norden zeitweise komplett ein. Tausende Züge fielen aus, Reisende mussten umbuchen oder warteten stundenlang an Bahnhöfen.
Laut DB-Richtlinien haben Fahrgäste bei ausgefallenen Zügen Anspruch auf vollständige Ticketerstattung. Bei Verspätungen ab 60 Minuten gibt es 25 Prozent Entschädigung, ab 120 Minuten 50 Prozent. [The Local]
Doch: Viele Fahrgäste, die nach dem Sturm Entschädigung beantragten, erhielten Ablehnungen. Die Begründung war absurd.
Das Beispiel: Berlin–Braunschweig
Ein Fahrgast wollte am Freitag, 9. Januar, mit dem ICE von Berlin nach Braunschweig fahren. Der Zug fiel komplett aus – wie Hunderte andere auch. [dpa-AFX]
Der Fahrgast reichte einen Entschädigungsantrag ein. Die Antwort der Bahn: „Ihr Zug hatte lediglich eine Verspätung von einer Minute. Ein Anspruch auf Entschädigung besteht nicht."
Tatsächlich: Der Zug fuhr überhaupt nicht. Dem Fahrgast hätte eine vollständige Rückerstattung zugestanden.
Systemversagen: Tausende Fahrgäste wurden zu Unrecht abgelehnt.
Warum das wichtig ist
Es geht nicht nur um einen einzelnen Fall. Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben „einen Teil der Entschädigungsanträge in einem kurzen Zeitraum" falsch bearbeitet. [dpa-AFX]
Wie viele Fahrgäste betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Die DB sagt: „Die Zahl wird derzeit noch ermittelt."
Fakt ist: Sturm Elli hat den größten Bahnverkehrschaos seit Jahren verursacht. Zehntausende Reisende waren betroffen. Wenn nur ein Bruchteil davon falsche Ablehnungen erhielt, sprechen wir über Tausende Fälle.
Das Problem mit automatisierten Systemen
Die Deutsche Bahn verarbeitet Entschädigungsanträge weitgehend automatisiert. Fahrgäste können online oder per App einen Antrag stellen. Das System prüft dann automatisch:
- Wie viel Verspätung hatte der Zug?
- War der Zug ausgefallen?
- Hatte der Fahrgast eine gültige Buchung?
In diesem Fall: Das System griff auf fehlerhafte Daten zurück. Züge, die komplett ausfielen, wurden als „1 Minute verspätet" erfasst. Das System entschied: keine Entschädigung.
Verbraucherschützer kritisieren: „Automatisierung ist gut – aber sie muss fehlerfrei funktionieren. Wenn Tausende Menschen zu Unrecht ihr Geld nicht bekommen, ist das ein ernstes Problem."
Reaktionen: Wer sagt was?
Deutsche Bahn
Eine DB-Sprecherin bestätigte die Panne: „Aufgrund eines technischen Fehlers wurden Einreichungen nicht korrekt bearbeitet. Wir werden diese erneut bearbeiten und die Betroffenen wie gewohnt per Mail oder Post informieren." [dpa-AFX]
Die Bahn betont: Der Fehler sei mittlerweile gefunden und behoben. Betroffene Fahrgäste müssten nichts weiter tun – ihre Anträge würden automatisch neu bearbeitet.
Fahrgastrechte-Hotline
Bei Anruf der DB-Fahrgastrechte-Hotline heißt es: „Wir entschuldigen uns für den Fehler. Betroffen war aber nur ein Teil der Entschädigungsanträge in einem kurzen Zeitraum." [dpa-AFX]
Verbraucherschützer
Verbraucherzentralen raten: „Wer eine Ablehnung erhalten hat, obwohl der Zug ausgefallen war, sollte dokumentieren: Screenshot der Zugausfall-Anzeige, Fotos von Anzeigetafeln, Stempel vom DB-Personal."
Auch wenn die DB verspricht, Fälle neu zu bearbeiten: „Sicherheit geht vor. Wer Beweise hat, steht im Zweifelsfall besser da."
Folgen & Ausblick: Was passiert jetzt?
Die Deutsche Bahn hat angekündigt, alle fehlerhaft abgelehnten Anträge neu zu bearbeiten. Betroffene Fahrgäste sollen per Mail oder Post informiert werden.
Doch das Vertrauen ist angekratzt. Die Bahn kämpft seit Jahren mit Verspätungen, Zugausfällen und organisatorischen Problemen. Jetzt kommt ein Systemfehler dazu, der Tausende um ihr Geld bringt.
Was können Fahrgäste tun?
- Entschädigung wurde abgelehnt? Prüfen, ob der Zug tatsächlich gefahren ist. Bei Ausfall: Widerspruch einlegen
- Dokumentation: Screenshots von DB Navigator, Fotos von Anzeigetafeln, Stempel vom Personal aufbewahren
- Frist beachten: Entschädigungen können bis zu einem Jahr nach Ticketgültigkeit beantragt werden
- Bei Problemen: Schlichtungsstelle Mobilität einschalten (kostenfrei)
Der breitere Kontext
Sturm Elli war nur der Auslöser. Die Probleme der Deutschen Bahn sind strukturell:
- Veraltete IT-Systeme
- Überlastetes Schienennetz
- Personalmangel
- Fehlende Investitionen in Infrastruktur
Die Bundesregierung (Große Koalition aus CDU/CSU und SPD) hat angekündigt, Milliarden in die Bahn-Sanierung zu stecken. Doch Experten sagen: „Die Probleme sind so tief, dass schnelle Lösungen unrealistisch sind."
Was bleibt: Fahrgäste müssen weiter mit Verspätungen, Ausfällen – und offenbar auch mit fehlerhaften Entschädigungssystemen rechnen.