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Merz auf Energiemission: Kanzler will LNG-Partnerschaft mit Katar stärken und Abhängigkeiten reduzieren

Merz auf Energiemission: Kanzler will LNG-Partnerschaft mit Katar stärken und Abhängigkeiten reduzieren
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Bei seiner ersten Reise als Bundeskanzler auf die Arabische Halbinsel will Friedrich Merz die strategischen Partnerschaften zu drei besonders einflussreichen Golfstaaten auf ein neues Niveau heben. Im Zentrum steht das Ziel, mehr Flüssigerdgas (LNG) aus Katar zu beziehen und Deutschlands Abhängigkeiten von anderen Großmächten zu verringern. Doch der pragmatische Kurs des Kanzlers stößt auch auf Kritik.

Die wichtigsten Punkte

  • Bundeskanzler Friedrich Merz will aus dem Golfstaat Katar mehr Flüssigerdgas (LNG) beziehen [Tagesschau].
  • Katar ist der weltweit größte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG) [Tagesschau].
  • Merz besucht Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), um die Beziehungen zu stärken [Nau] [Lomazoma].
  • Es geht auch um Rüstungsgeschäfte; Saudi-Arabien und Katar zählten von 2020 bis 2024 zu den größten Rüstungsimporteuren weltweit [Nau] [Lomazoma].
  • Merz verfolgt einen pragmatischen Ansatz und will nicht mit „erhobenem Zeigefinger“ auf die autoritär geführten Partner zugehen [Boerse-online].

Energie im Fokus: LNG aus Katar soll Diversifizierung vorantreiben

Die zweite Station der dreitägigen Reise führte Bundeskanzler Merz nach Katar. Das Emirat spielt eine Schlüsselrolle in der deutschen Energieversorgungsstrategie. „Katar ist der weltweit größte Exporteur von LNG, von verflüssigtem Erdgas, und Deutschland möchte seine Importe diversifizieren, um weniger abhängig von den USA und Russland zu sein“, bringt es der ägyptische Energieexperte Ahmed Kandil auf den Punkt [Tagesschau]. Merz kündigte bei seinem Besuch an, mehr Flüssigerdgas aus Katar beziehen zu wollen.

Allerdings gibt es Differenzen bei der Vertragsgestaltung. Während Katar an langfristigen Liefervereinbarungen interessiert ist, sieht die Bundesregierung Gas im Rahmen der Energiewende nur als Übergangstechnologie und möchte keine zu langfristigen Verpflichtungen eingehen [Tagesschau].

Pragmatischer Neuanfang: „Herzlich und offen“ mit dem saudischen Kronprinzen

Den Auftakt der Reise bildete ein zweieinhalbstündiges Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Riad, das aus der deutschen Delegation als „herzlich und offen“ beschrieben wurde [Boerse-online]. Merz will die Beziehungen zu Saudi-Arabien auf „ein neues Niveau“ heben [Boerse-online]. Dabei sei es vor allem um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen gegangen, konkret um Energie, Verteidigung, Künstliche Intelligenz sowie regionale Konflikte [Boerse-online].

Dies markiert einen deutlichen Kurswechsel. Noch vor Jahren war der Kronprinz wegen des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi 2018 international geächtet worden [Boerse-online]. Merz verfolgt nun einen pragmatischen Ansatz: „Wir stellen die Golfstaaten nicht unter Generalverdacht“ und man müsse ohne „erhobenen Zeigefinger“ auf sie zugehen, um Partnerschaften zu stärken [Boerse-online].

Sensible Themen: Rüstungskooperation und regionale Machtverschiebungen

Neben Energie steht auch die militärische Zusammenarbeit auf der Agenda. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri gehörten Saudi-Arabien und Katar zwischen 2020 und 2024 zu den Ländern, die weltweit die meisten Rüstungsgüter importierten [Nau] [Lomazoma]. Der deutsche Kurs wurde bereits von der Vorgängerregierung gelockert, die Anfang 2024 den Weg für den Export weiterer Eurofighter-Kampfflugzeuge an Saudi-Arabien frei machte [Nau] [Lomazoma].

Die Reise findet vor dem Hintergrund einer dramatisch eskalierten Lage im Iran-Konflikt statt [Lomazoma]. Seit den arabischen Aufständen von 2011 haben sich die Machtzentren der arabischen Welt an den Golf verlagert – nach Saudi-Arabien, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar [Nau] [Lomazoma].

Deutschlands strategische Neuorientierung in einer neuen Weltordnung

Die Reise ist Teil einer umfassenden Neuorientierung der deutschen Außenpolitik unter Kanzler Merz. Nach Antrittsbesuchen bei Verbündeten in Europa und Nordamerika geht es nun darum, Beziehungen zu wichtigen Ländern außerhalb von EU und NATO zu stärken [Nau] [Lomazoma]. Merz war zuvor bereits auf Gipfeln in Afrika und Lateinamerika sowie in Indien [Nau].

Hintergrund ist die Wahrnehmung einer neuen Weltordnung, in der Großmachtpolitik eine zunehmende Rolle spielt. Deutschland will Abhängigkeiten von Supermächten wie China (bei Exporten und Rohstoffen) und den USA (bei Verteidigung, Flüssiggas und Handel) verringern und sein Beziehungsnetzwerk vergrößern [Nau] [Lomazoma] [Boerse-online]. In der Golfregion geht es neben Energie und Rüstung auch um Investitionen der reichen Staaten in Deutschland, die Arbeitsplätze schaffen könnten [Boerse-online].

Fazit: Energie gegen Pragmatismus?

Friedrich Merz' Reise an den Golf unterstreicht den Willen der Bundesregierung, Deutschlands strategische und wirtschaftliche Partnerschaften in einer unsicheren Welt zu diversifizieren. Die Sicherung von LNG-Lieferungen aus Katar ist ein zentrales, kurzfristiges energiepolitisches Ziel. Langfristig geht es jedoch um mehr: um eine partnerschaftliche Einbindung der einflussreichen Golfstaaten, die in den letzten Jahren zu neuen Machtzentren aufgestiegen sind. Der dabei eingeschlagene pragmatische Kurs, der Menschenrechtsfragen in den Hintergrund stellt, wird jedoch weiterhin kontrovers diskutiert werden. Die Differenzen bei den gewünschten Vertragslaufzeiten für Gaslieferungen zeigen zudem, dass die Interessen nicht immer deckungsgleich sind.

Merz auf Energiemission: Kanzler will LNG-Partnerschaft mit Katar stärken und Abhängigkeiten reduzieren - Illustration
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