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„Generation Deutschland": AfD gründet neue Jugendorganisation in Gießen

Am Wochenende vor dem 1. Dezember 2025 hat die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland" gegründet. Die Veranstaltung wurde von Protesten begleitet. An der Spitze steht Jean-Pascal Hohm, ein Brandenburger Landtagsabgeordneter mit Verbindungen zum rechtsextremen Vorfeld.

Satirische Comic-Illustration: Parteigründung mit jungen Menschen, Deutschland-Symbolen und Protestschildern im Hintergrund

Neugründung unter Protest: Die AfD schafft sich eine neue Jugendorganisation – diesmal fest in die Partei integriert.

Die wichtigsten Punkte

  • Neugründung: Die „Generation Deutschland" ersetzt die aufgelöste „Junge Alternative" (JA). Deutschlandfunk
  • Strukturelle Änderung: Jedes Mitglied muss gleichzeitig AfD-Parteimitglied sein – anders als bei der JA. Wikipedia
  • Vorsitzender: Jean-Pascal Hohm (Brandenburg) wurde mit über 90% der Stimmen gewählt. Der Verfassungsschutz sieht bei ihm Bezüge zur Identitären Bewegung. ZEIT
  • Proteste: Bis zu 30.000 Menschen demonstrierten in Gießen gegen den Parteitag. Spiegel
  • Weidels Reaktion: Die Parteichefin bezeichnete die Proteste als „zutiefst undemokratisch". taz
  • ⚡ Update 16:30 Uhr: Die AfD hat Alexander Eichwald aus der Herforder Kreistagsfraktion ausgeschlossen und bereitet ein Parteiausschlussverfahren vor. web.de/dpa

⚡ Update 1. Dezember 2025, 16:30 Uhr

Die AfD hat auf den Eichwald-Vorfall reagiert. Siehe Abschnitt „AfD reagiert auf Eichwald-Skandal" weiter unten.

Hintergrund: Warum eine neue Jugendorganisation?

Die Vorgängerorganisation „Junge Alternative" (JA) hatte sich im Frühjahr 2025 selbst aufgelöst. Der Grund: Das Bundesinnenministerium hatte ein Verbotsverfahren eingeleitet. Die JA war vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem" eingestuft worden.

Die AfD-Führung entschied sich für einen Neuanfang unter anderem Namen. Die „Generation Deutschland" soll als Nachwuchsorganisation dienen, ist aber strukturell enger an die Mutterpartei gebunden.

Der entscheidende Unterschied zur JA

Bei der „Jungen Alternative" konnte man Mitglied werden, ohne der AfD anzugehören. Die „Generation Deutschland" funktioniert anders: Jedes Jugendmitglied muss zwingend auch AfD-Parteimitglied sein.

Die Parteiführung begründet dies mit mehr Kontrolle („Durchgriffsrecht"). Kritiker sehen darin jedoch ein Risiko: Extremistische Vorfälle in der Jugendorganisation können nicht mehr auf eine „unabhängige" Struktur geschoben werden. Das Handeln der Jugend wird der Gesamtpartei direkt zugerechnet.

Jean-Pascal Hohm: Wer ist der neue Vorsitzende?

Jean-Pascal Hohm ist Landtagsabgeordneter in Brandenburg und wurde mit über 90 Prozent der Stimmen zum ersten Bundesvorsitzenden der „Generation Deutschland" gewählt.

Der Brandenburger Verfassungsschutz hat Hohm in der Vergangenheit Verbindungen zur „Identitären Bewegung" und rechtsextremen Hooliganstrukturen in Cottbus attestiert.

Seine Wahl sendet ein Signal: Der völkisch-nationale Flügel der AfD (oft als „Höcke-Lager" bezeichnet) hat die neue Jugendorganisation von Anfang an fest im Griff. Hoffnungen auf eine gemäßigtere Ausrichtung haben sich nicht erfüllt.

Die Proteste in Gießen

Der Gründungsparteitag in den Hessenhallen wurde von massiven Gegenprotesten begleitet. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf bis zu 30.000 Menschen. Es kam zu Straßenblockaden und vereinzelten Auseinandersetzungen.

Alice Weidel, Co-Bundessprecherin der AfD, nutzte die Proteste für eine rhetorische Gegenoffensive. In ihrer Rede vor den Delegierten bezeichnete sie die Demonstranten als „zutiefst undemokratisch" und griff die Berichterstattung der Medien an.

Was auf dem Parteitag gesagt wurde

Beobachter berichten von Reden mit völkischer Rhetorik. Einzelne Redner sollen Formulierungen verwendet haben, die an NS-Sprache erinnern. Die Parteiführung hat sich zu diesen Berichten bislang nicht geäußert.

⚡ Update: AfD reagiert auf Eichwald-Skandal

Aktualisiert am 1. Dezember 2025 um 16:30 Uhr

Der Auftritt von Alexander Eichwald auf dem Gründungskongress sorgt auch Tage später für massive Diskussionen. In seiner Bewerbungsrede für einen Vorstandsposten sprach Eichwald die Teilnehmer mit „Parteigenossen" und „Volksgenossen" an, rollte das „R" und drosch NS-anmutende Parolen in den Saal. Der Auftritt erinnerte in Ton und Gestik an Adolf Hitler.

Die AfD hat mittlerweile reagiert:

  • Fraktionsausschluss: Eichwald wurde aus der AfD-Fraktion im Herforder Stadtrat ausgeschlossen. Er ist dort nun als fraktionsloser sachkundiger Bürger gelistet. web.de/dpa
  • Parteiausschlussverfahren: Der AfD-Kreisverband Herford bereitet ein Parteiausschlussverfahren gegen Eichwald vor.
  • Distanzierung: Der Bielefelder AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Kneller sagte der dpa: „Die AfD ist sich sofort einig gewesen und leitet alles in die Wege, um ihn überall dort, wo es geht, loszuwerden."

War es eine gezielte Aktion?

In der AfD und im Netz wird spekuliert, ob es sich bei Eichwalds Auftritt um eine gezielte Sabotage-Aktion gehandelt haben könnte. MdB Kneller sagte: „Er war erst seit ein paar Wochen in der AfD. Es kannte ihn kaum jemand. Und diejenigen, die ihn kannten, sagen, dass er nie das R gerollt hat."

Der Herforder AfD-Kreisvorsitzende Alexander Parteck erklärte dem Sender „Welt": Im Aufnahmegespräch vor wenigen Wochen habe es nichts Verdächtiges gegeben. „Er hat sich da ganz normal gegeben, hat auch das R nicht gerollt."

Allerdings berichtete die BILD, Eichwald habe ihr gegenüber bestätigt, dass sein Auftritt „ernst gemeint" gewesen sei. BILD

„Die AfD ist sich sofort einig gewesen und leitet alles in die Wege, um ihn überall dort, wo es geht, loszuwerden." — Maximilian Kneller (MdB, AfD) gegenüber dpa web.de

Analyse: Was bedeutet die Neugründung?

Die „Generation Deutschland" ist der Versuch der AfD, eine Kaderschmiede für die Zeit nach der aktuellen Führungsgeneration aufzubauen. Mit Hohm an der Spitze setzt die Partei auf Kontinuität statt Mäßigung.

Experten sehen in der Neugründung keine inhaltliche Kurskorrektur. Der Deutschlandfunk zitiert Politikwissenschaftler mit der Einschätzung: „Eine Mäßigung ist nicht zu erwarten."

Die strategische Bedeutung

Die AfD verfolgt seit Jahren eine „Mosaik-Rechte"-Strategie: Die Partei pflegt Verbindungen zu Vorfeldorganisationen, Straßenbewegungen und alternativen Medien. Die „Generation Deutschland" soll diese Vernetzung institutionalisieren und gleichzeitig das Bild einer geordneten Parteistruktur vermitteln.

Chancen & Risiken

✅ Aus AfD-Sicht

  • Nachwuchsrekrutierung gesichert
  • Kein separates Verbotsrisiko mehr
  • Straffer Parteidurchgriff möglich

⚠️ Risiken

  • Extremistische Vorfälle fallen direkt auf die Partei zurück
  • Keine Distanzierungsmöglichkeit mehr
  • Potenzielle Belastung bei Verbotsverfahren gegen die Gesamtpartei

Folgen & Ausblick

Die Gründung der „Generation Deutschland" verändert die Lage für ein mögliches Parteiverbotsverfahren gegen die AfD. Die enge strukturelle Verzahnung von Partei und Jugend bedeutet: Verstöße der Jugendorganisation können künftig direkt als Beleg für die Radikalität der Gesamtpartei herangezogen werden.

Die Wahl von Jean-Pascal Hohm zeigt, dass der völkisch-nationale Flügel auch nach außen sichtbar die Kontrolle über den Parteinachwuchs übernommen hat.