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Die Linke

Linke fordert Böllerverbot und Streichung der Wehrpflicht aus dem Grundgesetz

Die Fraktion Die Linke im Bundestag hat zum 1. Dezember 2025 zwei Initiativen eingebracht: Kommunen sollen privates Feuerwerk an Silvester verbieten dürfen. Und die Wehrpflicht soll komplett aus dem Grundgesetz gestrichen werden.

Satirische Comic-Illustration: Feuerwerksrakete mit Verbotsschild und Friedenstaube mit Grundgesetz

Zwei Themen, eine Strategie: Die Linke setzt auf populäre Nischenthemen.

Die wichtigsten Punkte

  • Böllerverbot: Ein Antrag fordert, Kommunen die Möglichkeit zu geben, privates Feuerwerk zu untersagen. Ziel ist ein bundesweites Verbot ab 2027/28. Bundestag, Drucksache 21/2909
  • Wehrpflicht: Ein zweiter Antrag fordert die Streichung der Wehrpflicht aus Artikel 12a des Grundgesetzes. Bundestag
  • Zustimmung in Umfragen: Bis zu 75% der Berliner befürworten laut Umfragen ein Böllerverbot. ZEIT
  • Die Strategie: Die Linke setzt auf Themen, die hohe Aufmerksamkeit erzeugen, aber von anderen Parteien als „Verbotspolitik" gemieden werden.

Böllerverbot: Was fordert die Linke?

Der Antrag der Linken (Drucksache 21/2909) fordert eine Änderung des Sprengstoffgesetzes. Kommunen sollen ermächtigt werden, das Abbrennen von privatem Feuerwerk in ihrem Gebiet zu verbieten.

Das Ziel: Ein schrittweises bundesweites Verbot von Silvesterböllern bis 2027/28.

Die Argumente der Linken

  • Gesundheit: Jedes Jahr werden Hunderte Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt, einige schwer.
  • Umwelt: Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht ist extrem hoch. Böller verursachen Tonnen von Müll.
  • Tierschutz: Haustiere und Wildtiere leiden unter dem Lärm. Vögel sterben durch Panikflüge.
  • Rettungskräfte: Feuerwehr und Sanitäter werden an Silvester häufig angegriffen oder behindert.

Wie ist die Stimmung?

Umfragen zeigen: In Großstädten wie Berlin befürworten bis zu 75 Prozent der Befragten ein Böllerverbot. Die Zustimmung ist bei Tierhaltern, Eltern kleiner Kinder und Senioren besonders hoch.

Dennoch meiden die meisten Parteien das Thema. CDU, SPD und FDP fürchten das Etikett „Verbotspartei".

Wehrpflicht: Was fordert die Linke?

Der zweite Antrag betrifft die Verfassung. Die Linke fordert die vollständige Streichung von Artikel 12a des Grundgesetzes. Dieser Artikel ermöglicht die Wehrpflicht.

Die Wehrpflicht ist in Deutschland seit 2011 ausgesetzt, aber nicht abgeschafft. Sie könnte jederzeit durch ein einfaches Gesetz wieder eingeführt werden.

Die Argumente der Linken

  • Friedenspolitik: Die Linke sieht die Wehrpflicht als Symbol für Militarisierung.
  • Selbstbestimmung: Niemand sollte gegen seinen Willen zum Dienst an der Waffe gezwungen werden.
  • Abgrenzung: Der Antrag grenzt die Linke von der Union ab, die über eine neue Dienstpflicht diskutiert.

Analyse: Die Strategie der kleinen Themen

Die Linke kämpft nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und der Gründung des BSW um ihre Existenz. Bei den großen wirtschafts- und sozialpolitischen Themen dringt sie derzeit nicht durch.

Die Flucht in „Lifestyle-Themen" wie das Böllerverbot folgt einer klaren Logik:

  • Hohe Aufmerksamkeit in sozialen Medien
  • Klare Position, die andere Parteien nicht besetzen
  • Emotionale Mobilisierung der eigenen Basis

Fraktionschefin Heidi Reichinnek ist auf Plattformen wie TikTok stark präsent. Das Böllerverbot ist ein Thema, das dort viral gehen kann.

Chancen der Anträge

Die Anträge werden voraussichtlich keine Mehrheit im Bundestag finden. Die Große Koalition aus CDU und SPD lehnt beide Forderungen ab.

Für die Linke geht es weniger um den Gesetzgebungserfolg als um die Sichtbarkeit. Die Partei zeigt: Wir sind noch da, wir haben Positionen.

Folgen & Ausblick

Die Debatte über das Böllerverbot wird vor Silvester an Fahrt aufnehmen. Die Linke hat sich mit ihrem Antrag eine günstige Ausgangsposition verschafft: Wenn es an Silvester wieder zu Gewalt gegen Rettungskräfte kommt, kann sie sagen: „Wir haben es gefordert."

Die Wehrpflicht-Debatte dürfte im Kontext der sicherheitspolitischen Lage (Ukraine-Krieg) intensiver werden. Die Union diskutiert über verpflichtende Musterungen. Die Linke positioniert sich am anderen Ende des Spektrums.