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Die Linke

Soziale Offensive: Linke fordert kostenloses Schulessen und Mietwucher-Stopp

Illustration: Kostenloses Schulessen für alle Kinder und Stopp von Mietwucher

Titelillustration: Kostenloses Schulessen und stärkerer Mieterschutz – zentrale Anliegen der Linken.

Die Linke geht im Bundestag in die Offensive: Ein Gesetzentwurf gegen Mietwucher und ein Antrag (21/2537) ein, der die Bundesregierung zur Umsetzung der Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel" auffordert – im Zentrum steht die Forderung nach kostenlosem Mittagessen für alle Kinder in Schulen und Kitas, finanziert aus dem Bundeshaushalt. Weitere Forderungen: ein verpflichtendes staatliches Label für Lebensmittel und ein Wegwerfverbot für noch genießbare Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Deutschlandfunk · Bundestag: Antrag 21/2537

Die wichtigsten Punkte

  • Debatte heute: Der Bundestag debattiert über einen Gesetzentwurf der Linken gegen Mietwucher. Das Gesetz soll Mieter besser vor überhöhten Mieten schützen. Deutschlandfunk
  • Kostenloses Schulessen: Die Linke fordert in einem Antrag (21/2537), dass alle Kinder in Deutschland kostenloses Mittagessen in Schulen und Kitas bekommen – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Finanzierung soll aus dem Bundeshaushalt erfolgen. Bundestag: Antrag 21/2537
  • Bürgerrat als Grundlage: Der Antrag basiert auf den Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel", in dem zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger Vorschläge zur Ernährungspolitik erarbeitet haben.
  • Weitere Forderungen: Ein verpflichtendes staatliches Label für Lebensmittel (Transparenz über Herkunft, Zutaten, Nährwerte) und ein Wegwerfverbot für noch genießbare Lebensmittel – von Supermärkten bis zu Erzeugern.
Grafik: Soziale Maßnahmen – kostenloses Schulessen, Lebensmittel-Label, Wegwerfverbot

Illustration: Soziale Politikfelder im Überblick – Ernährung, Wohnen, Verbraucherschutz.

Gesetzentwurf gegen Mietwucher: Schutz vor Wuchermieten

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich seit Jahren. In Großstädten wie Berlin, München, Hamburg und Frankfurt sind die Mieten in den letzten zehn Jahren teilweise um 50 bis 80 Prozent gestiegen. Immer mehr Menschen können sich eine angemessene Wohnung nicht mehr leisten. Gleichzeitig gibt es Fälle von extremem Mietwucher – Vermieter, die für minderwertige Wohnungen astronomische Preise verlangen.

Die Linke will diesem Treiben ein Ende setzen. Der heute im Bundestag debattierte Gesetzentwurf sieht schärfere Regelungen gegen Mietwucher vor. Ziel ist es, Mieterinnen und Mieter besser zu schützen und Wuchermieten strafrechtlich zu verfolgen. Deutschlandfunk

Was ist Mietwucher?

Mietwucher liegt vor, wenn eine Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 Prozent übersteigt und der Vermieter die Zwangslage des Mieters ausnutzt. In der Praxis ist Mietwucher jedoch schwer zu beweisen – viele Fälle bleiben ungeahndet, weil Mieter Angst vor Kündigungen haben oder die Rechtslage unklar ist.

Die Linke fordert:

  • Klarere Definition: Was als Mietwucher gilt, soll eindeutig im Gesetz verankert werden.
  • Härtere Strafen: Vermieter, die Mietwucher betreiben, sollen mit empfindlichen Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen rechnen müssen.
  • Besserer Mieterschutz: Mieter sollen leichter gegen überhöhte Mieten klagen können, ohne Angst vor Vergeltung haben zu müssen.

Die Wohnungskrise in Zahlen

In Deutschland fehlen nach Schätzungen rund 700.000 bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig sind die Mieten in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um 30 Prozent gestiegen – die Einkommen jedoch nur um 20 Prozent. Immer mehr Menschen geben mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus – der Schwellenwert, ab dem Wohnen als „unbezahlbar" gilt.

Kostenloses Schulessen für alle Kinder: Die Kernforderung

Die zweite große Initiative der Linken betrifft die Ernährung von Kindern. In einem Antrag (21/2537) fordert die Fraktion die Bundesregierung auf, die Empfehlungen des Bürgerrats „Ernährung im Wandel" umzusetzen. Die zentrale Forderung lautet: Kostenloses Mittagessen für alle Kinder in Schulen und Kitas – finanziert aus dem Bundeshaushalt. Bundestag

Warum ist das wichtig?

Studien zeigen, dass in Deutschland rund 2,8 Millionen Kinder in Armut oder armutsgefährdeten Haushalten leben. Viele dieser Kinder erhalten zu Hause keine ausgewogene Ernährung. Ein kostenloses Schulessen könnte nicht nur die Gesundheit dieser Kinder verbessern, sondern auch ihre Bildungschancen erhöhen – wer hungrig ist, kann nicht lernen.

Die Linke argumentiert: Ernährung ist ein Grundrecht. Kein Kind sollte hungrig zur Schule gehen müssen. Ein kostenloses Mittagessen für alle – unabhängig vom Einkommen der Eltern – wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengleichheit.

Was sagt der Bürgerrat?

Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel" war ein Gremium aus 160 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern, die über mehrere Monate hinweg Vorschläge zur Ernährungspolitik erarbeitet haben. Eine ihrer zentralen Empfehlungen: kostenloses Mittagessen für alle Kinder in Schulen und Kitas.

Die Linke greift diese Empfehlung auf und fordert die Bundesregierung auf, sie umzusetzen. Die Botschaft: Wenn die Bürger selbst diese Maßnahme fordern, sollte die Politik sie nicht ignorieren.

Wie soll das finanziert werden?

Die Kosten für ein kostenloses Schulessen für alle Kinder in Deutschland werden auf rund 5 bis 7 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die Linke fordert, dass diese Summe aus dem Bundeshaushalt finanziert wird – nicht durch zusätzliche Gebühren oder Steuern auf lokaler Ebene.

Kritiker wenden ein: Woher soll das Geld kommen? Die Linke antwortet: Durch eine gerechtere Steuerpolitik. Vermögende und Konzerne sollten stärker besteuert werden, um soziale Leistungen wie kostenloses Schulessen zu finanzieren.

Internationale Beispiele

In mehreren europäischen Ländern gibt es bereits kostenloses Schulessen für alle Kinder:

  • Schweden: Seit 1973 erhalten alle Schülerinnen und Schüler kostenloses Mittagessen.
  • Finnland: Ebenfalls kostenloses Schulessen für alle – gilt als wichtiger Faktor für die hohe Bildungsqualität des Landes.
  • Estland: Hat 2013 kostenloses Schulessen für alle Kinder eingeführt.

Die Linke argumentiert: Wenn diese Länder es schaffen, kann Deutschland es auch.

Weitere Forderungen: Lebensmittel-Label und Wegwerfverbot

Neben dem kostenlosen Schulessen enthält der Antrag der Linken zwei weitere zentrale Forderungen:

1. Verpflichtendes staatliches Lebensmittel-Label

Die Linke fordert ein staatliches Label, das klar und verständlich über Herkunft, Zutaten, Nährwerte und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln informiert. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen auf einen Blick erkennen können, was sie kaufen.

Hintergrund: Aktuell gibt es eine Vielzahl freiwilliger Labels (Bio, Fair Trade, Tierwohl etc.), aber kein einheitliches, verpflichtendes System. Die Linke sieht darin ein Informationsdefizit – viele Menschen wissen nicht, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert wurden.

2. Wegwerfverbot für noch genießbare Lebensmittel

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – obwohl viele davon noch genießbar sind. Die Linke fordert ein gesetzliches Verbot, das die gesamte Wertschöpfungskette umfasst:

  • Supermärkte: Dürfen keine noch genießbaren Lebensmittel mehr wegwerfen. Stattdessen sollen sie gespendet oder vergünstigt abgegeben werden.
  • Großküchen: Müssen überschüssiges Essen spenden oder weiterverwerten.
  • Erzeuger und Hersteller: Auch auf Produktionsebene soll Verschwendung verhindert werden.

Vorbild ist Frankreich, das 2016 als erstes Land ein Wegwerfverbot für Supermärkte eingeführt hat. Die Bilanz: Die Lebensmittelverschwendung ist deutlich zurückgegangen, gleichzeitig haben Tafeln und soziale Einrichtungen mehr Spenden erhalten.

Politische Einordnung: Die Linke in der Opposition

Die beiden Initiativen zeigen, wie Die Linke ihre Oppositionsrolle nutzt. Nach dem Wiedereinzug ins Parlament mit 8,8 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl 2025 positioniert sich die Partei als sozial-ökologische Alternative zur Großen Koalition. Wikipedia: Bundestagswahl 2025

Die Botschaft ist klar: Während die Regierung über Haushaltsdisziplin und Schuldenbremse streitet, setzt Die Linke auf konkrete soziale Verbesserungen – kostenloses Schulessen, Schutz vor Mietwucher, weniger Lebensmittelverschwendung.

Ob die Initiativen Erfolg haben, ist fraglich. Die Große Koalition hat andere Prioritäten. Aber Die Linke erreicht zweierlei:

  • Thematische Setzung: Die Partei zwingt die Regierung, sich zu diesen Themen zu positionieren.
  • Profilierung: Die Linke zeigt, wofür sie steht – soziale Gerechtigkeit, Umverteilung, Verbraucherschutz.

Reaktionen aus der Politik

Die Reaktionen auf die Initiativen der Linken sind erwartbar gespalten:

  • Koalition (CDU/SPD): Zurückhaltend bis ablehnend. Die CDU sieht in den Forderungen „sozialistische Umverteilungsfantasien", die den Bundeshaushalt sprengen würden. Die SPD ist gespalten – der linke Flügel sympathisiert mit den Zielen, die Regierungsverantwortung mahnt zur Vorsicht.
  • Grüne: Unterstützen die Forderungen teilweise – insbesondere das Wegwerfverbot und das Lebensmittel-Label. Beim kostenlosen Schulessen sind sie skeptisch wegen der Finanzierung.
  • FDP: Lehnt die Initiativen ab. Kostenloses Schulessen sei „Staatsversorgung", Mietwucher-Gesetze würden den Wohnungsmarkt weiter bürokratisieren.
  • AfD: Keine klare Position erkennbar – die Partei fokussiert sich auf andere Themen.

Wird sich etwas ändern?

Realistisch betrachtet: Die Chancen, dass der Bundestag die Forderungen der Linken umsetzt, sind gering. Die Große Koalition hat eine Mehrheit und andere Prioritäten. Dennoch haben die Initiativen Bedeutung:

  • Langfristige Agenda: Themen wie kostenloses Schulessen oder Wegwerfverbote bleiben im öffentlichen Diskurs. Sie können in zukünftigen Koalitionsverhandlungen relevant werden.
  • Druck auf die Regierung: Die Linke zwingt CDU und SPD, sich zu positionieren – und offenbart dabei möglicherweise Widersprüche innerhalb der Koalition.
  • Signal an die Wähler: Die Linke zeigt, dass sie ihre Kernthemen nicht aufgibt – auch nicht in der Opposition.

Fazit: Soziale Gerechtigkeit als Oppositionsstrategie

Die heutigen Initiativen der Linken – Gesetzentwurf gegen Mietwucher und Antrag für kostenloses Schulessen – sind mehr als nur parlamentarische Routine. Sie sind eine klare politische Botschaft: Soziale Gerechtigkeit muss Priorität haben – auch (oder gerade) in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Ob die Bundesregierung auf diese Forderungen eingeht, bleibt abzuwarten. Die Linke hat erreicht, was sie wollte: Sie hat ihre Themen auf die parlamentarische Agenda gesetzt – und damit auch in die öffentliche Debatte.

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