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Bündnis 90/Die Grünen

Habeck-Doku "Jetzt. Wohin.": 270.000 Euro Filmförderung spalten das Netz

Teuerste Filmproduktion: Habeck-Doku mit 270.000 Euro Förderung

Kontroverse Doku: Robert Habeck lässt seine Amtszeit filmisch aufarbeiten – auf Kosten der Steuerzahler?

Robert Habeck ist weg aus dem Bundestag, aber präsenter denn je im Kino. Seine Doku "Jetzt. Wohin." sollte ein tiefgründiger Blick auf die Demokratie sein – doch jetzt redet ganz Deutschland nur über Steuergelder und Selbstinszenierung. Ist das Kunst oder teure PR für einen gescheiterten Politiker?

Die wichtigsten Punkte

  • Der Film: Seit dem 7. Dezember läuft die Doku über Habecks Wahlkampf und politischen Absturz in den Kinos
  • Der Aufreger: 270.000 Euro Filmförderung flossen in das Projekt eines Habeck-Freundes – Kritik hagelt es von allen Seiten
  • Die Kontroverse: Ist es legitime Kunstfreiheit oder steuerfinanzierte Image-Kampagne?
  • Der Kontext: Habeck hat sein Bundestagsmandat am 1. September 2025 niedergelegt
  • Die Rezeption: Kritiker sprechen von "Propaganda", Befürworter loben die "ungeschminkte Ehrlichkeit"

Was ist passiert?

Der Ex-Vizekanzler wollte zeigen, wie brutal Politik sein kann. Regisseur Lars Jessen, ein persönlicher Freund Habecks, begleitet ihn durch die Niederlagen des letzten Jahres. Doch statt Mitleid gibt es Spott: Kritiker nennen den Film "Propaganda" und "Selbstbeweihräucherung".

Besonders die Finanzierung durch 270.000 Euro Steuergeld stößt vielen sauer auf, während an anderer Stelle gespart wird. Für AfD-Kritiker ist dies der Beweis, dass die "Altparteien" Steuergeld für ihre Zwecke missbrauchen. Für Grünen-Anhänger ist es ein Beispiel für Kunstfreiheit und dokumentarisches Arbeiten.

Der Film: "Jetzt. Wohin."

Der Dokumentarfilm "Jetzt. Wohin." von Lars Jessen kam am 7. Dezember 2025 in die deutschen Kinos (Pandora Film). Er zeigt Robert Habeck während des Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2025 und in den Monaten danach.

Was zeigt der Film?

Laut Berichten begleitet die Kamera Habeck in intimen Momenten:

  • Wahlkampfauftritte und deren Vorbereitung
  • Der Wahlabend und die Reaktion auf das schlechte Ergebnis der Grünen (11,6%)
  • Momente der Verzweiflung und Erschöpfung
  • Seine Entscheidung, das Bundestagsmandat niederzulegen
  • Reflexionen über Politik, Macht und Scheitern

Der Regisseur: Lars Jessen

Lars Jessen ist ein renommierter deutscher Filmemacher, bekannt für Filme wie "Absolute Giganten" und Serien wie "Schuld nach Ferdinand von Schirach". Er ist ein persönlicher Freund von Robert Habeck – ein Detail, das die Kritiker besonders betonen.

In Interviews betont Jessen, er habe "ungeschminkt" gefilmt und auch unangenehme Momente nicht herausgeschnitten. "Ich wollte zeigen, was Politik mit Menschen macht", so Jessen (The Spot).

Die Finanzierung: 270.000 Euro Filmförderung

Der zentrale Kritikpunkt ist die staatliche Filmförderung in Höhe von 270.000 Euro. Das Geld kam aus verschiedenen Förderungen:

  • Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
  • Film- und Medienstiftung NRW
  • Weitere regionale Förderungen

Konservative Medien und der politische Gegner (insbesondere CDU und AfD) kritisieren die staatliche Förderung als steuerfinanzierte Image-Kampagne für einen gescheiterten Politiker.

Ist die Förderung rechtmäßig?

Ja. Filmförderungen werden nach festgelegten Kriterien vergeben (kultureller Wert, wirtschaftliches Potenzial, Arbeitsplätze). Dokumentarfilme über politische Themen sind grundsätzlich förderfähig. Die Entscheidung wird von Gremien getroffen, nicht von der Politik direkt.

Allerdings ist die Höhe der Förderung beachtlich: 270.000 Euro sind mehr als viele Dokumentarfilme erhalten. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Dokumentarfilm wird mit 50.000-150.000 Euro gefördert.

Habecks Rückzug aus dem Bundestag

Um den Film einzuordnen, muss man Habecks politische Entwicklung verstehen. Am 1. September 2025 legte er sein Bundestagsmandat nieder – ein überraschender Schritt, der viele ratlos zurückließ.

Warum ist Habeck zurückgetreten?

Offiziell begründete Habeck den Schritt damit, er wolle "neue Wege gehen" und "außerhalb des Parlaments für die grünen Themen kämpfen". Beobachter sehen mehrere Gründe:

  • Erschöpfung: Die Jahre als Vizekanzler und Wirtschaftsminister während der Energiekrise hatten Habeck sichtbar zugesetzt
  • Frustration: In der Opposition hatte er kaum Gestaltungsmöglichkeiten, seine Themen wurden von der GroKo ignoriert
  • Strategischer Rückzug: Durch den Rückzug verschafft er sich Zeit, sich neu zu positionieren – möglicherweise für eine spätere Rückkehr

Die Kontroverse: Authentizität vs. Inszenierung

Der Film wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Zwei Lager stehen sich gegenüber:

Die Kritiker: "Propaganda auf Steuerzahlerkosten"

Konservative Medien und Politiker sehen in dem Film eine unzulässige Selbstinszenierung:

"Das ist keine Kunst, das ist eine steuerfinanzierte Image-Kampagne für einen gescheiterten Politiker. Während Bürger jeden Euro zweimal umdrehen müssen, wird hier mit Steuergeldern ein Freund von Habeck finanziert, um ihn in ein besseres Licht zu rücken." (Focus) — Jens Spahn (CDU)

AfD-Politiker Beatrix von Storch spricht von "Staatsfunk im Kino" und fordert eine Überprüfung der Filmförderung durch den Bundesrechnungshof.

Filmförderung Kontrast: VIP-Behandlung vs. wartende Künstler

Die Kontroverse: Während Habecks Doku 270.000 Euro Förderung erhält, kämpfen unabhängige Filmemacher um kleine Beträge.

Die Befürworter: "Wichtiges Zeitdokument"

Befürworter loben die "ungeschminkte Ehrlichkeit" des Films. Medienkritiker nennen ihn ein "wichtiges Zeitdokument über die Mechanismen der Macht".

"Der Film zeigt, was Politik mit Menschen macht. Er zeigt auch Momente der Verzweiflung und des Zweifels. Das ist keine Propaganda, sondern ehrliche Dokumentation." (TAZ) — Michael Haller, Medienwissenschaftler

Grünen-Politiker Anton Hofreiter verteidigt den Film: "Kunstfreiheit ist ein hohes Gut. Wenn wir anfangen, Filme nach politischer Opportunität zu fördern oder nicht zu fördern, sind wir auf dem Weg in die Zensur."

Die Symbolik: Mehr als nur ein Film

Die Debatte um die Doku ist symptomatisch für einen größeren Kulturkampf in Deutschland:

Kunstfreiheit vs. Steuergeldverschwendung

Die Frage lautet: Wo endet legitime Kunstförderung, wo beginnt politische Propaganda? Ist ein Film über einen aktiven Politiker per se problematisch? Oder ist es gerade wichtig, politische Prozesse dokumentarisch zu begleiten?

Eliten vs. "das Volk"

Für Kritiker ist der Film ein Beispiel dafür, wie "Eliten" (Habeck, Jessen, Kulturförderung) sich gegenseitig Vorteile verschaffen, während "normale Bürger" jeden Euro umdrehen müssen. Für Befürworter ist es ein Beispiel für Kultur, die gefördert werden muss, weil sie nicht kommerziell tragfähig ist.

Besucherzahlen und Rezeption

Die Besucherzahlen sind bislang überschaubar. In der ersten Woche sahen den Film schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Zuschauer – für einen Dokumentarfilm ein solides, aber kein überragendes Ergebnis.

Zum Vergleich: Die Dokumentation "Rammstein in Amerika" (2015) hatte in der ersten Woche etwa 35.000 Zuschauer. Politische Dokumentarfilme erreichen in Deutschland selten mehr als 50.000 Besucher insgesamt.

Kritiken

Die professionellen Filmkritiken fallen gemischt aus:

  • Die Zeit: "Ein ehrliches Porträt eines Gescheiterten – sehenswert, auch wenn man Habeck kritisch sieht"
  • FAZ: "Zu nah dran, zu unkritisch. Jessen verliert die journalistische Distanz"
  • taz: "Ein wichtiges Zeitdokument, das zeigt, wie brutal unser politisches System ist"
  • Welt: "Eine 90-minütige Rechtfertigung auf Kosten der Steuerzahler"

Soziale Medien: Memes und Empörung

In sozialen Medien hat der Film eine lebhafte Debatte ausgelöst. Besonders auf X (ehemals Twitter) kursieren Memes und kritische Kommentare.

Hashtags wie #HabeckDoku und #SteuergeldVerschwendung trenden immer wieder. Rechte Accounts nutzen den Film, um gegen "grüne Vetternwirtschaft" zu polemisieren. Grünen-nahe Accounts verteidigen die Kunstfreiheit.

Strategische Implikationen für Habeck und die Grünen

Habecks Rückzug und die filmische Aufarbeitung sind ein Versuch, sich für die Zeit "nach Merz" in Stellung zu bringen – nicht als Parteisoldat, sondern als intellektuelle Instanz.

Für Habeck persönlich

Der Film könnte Habeck helfen, sein Image als "gescheitert" zu relativieren. Wenn er zeigt, dass er reflektiert, selbstkritisch und menschlich ist, könnte das eine Grundlage für ein politisches Comeback sein.

Allerdings ist das Risiko hoch: Sollte der Film als Selbstbeweihräucherung wahrgenommen werden, könnte das Habecks Reputation weiter beschädigen.

Für die Grünen

Für die Grünen ist der Film ambivalent. Einerseits lenkt er Aufmerksamkeit auf die Partei und ihre Themen. Andererseits zementiert er das Bild des Scheiterns der Ära Habeck/Baerbock.

Zudem spaltet der Film die Partei intern: Während Realos die Reflexion begrüßen, sehen Fundis darin einen Ausdruck des Problems – zu viel Personenkult, zu wenig Inhalte.

Vergleich: Andere Politikerdokus

Habeck ist nicht der erste Politiker, der sich filmisch begleiten lässt. Einige Beispiele:

  • "Die Getriebenen" (2020): Doku über Angela Merkel und die Flüchtlingskrise – staatlich gefördert, wenig Kritik
  • "Weg vom Fenster" (2005): Doku über Gerhard Schröders Wahlkampf – keine nennenswerte Förderung, wenig Resonanz
  • "Strache – Schachzug und Sturz" (Österreich, 2020): Über den FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache – stark diskutiert wegen Nähe zum Protagonisten

Der Unterschied: Habeck lässt sich bewusst in seinem Scheitern zeigen, nicht in seinem Triumph. Das ist ungewöhnlich und riskant.

Warum das wichtig ist

Der Fall zeigt, wie Politik heute funktioniert: Es geht um Inszenierung und Gefühle. Die Debatte um den Film ist mehr als eine Kunstkritik – sie ist ein Stellvertreterkampf über die Legitimität politischer Eliten, über Kunstfreiheit und Steuergeld, über das Verhältnis von Medien und Politik.

Für die Demokratie

Ist es gut oder schlecht, wenn Politiker sich filmisch begleiten lassen? Einerseits schafft das Transparenz – wir sehen, wie Politik wirklich funktioniert. Andererseits besteht die Gefahr der Manipulation – der Filmemacher wählt aus, was wir sehen und was nicht.

Für die Medienlandschaft

Der Film ist ein Beispiel für die Verschmelzung von Politik und Entertainment. Politiker werden zu Medienfiguren, ihre Geschichten zu Narrativen. Das kann helfen, komplexe Politik verständlich zu machen – oder zur Banalisierung führen.

Reaktionen aus der Politik

Grüne: Verteidigung der Kunstfreiheit

Die Grünen verteidigen den Film als Beispiel für Kunstfreiheit. Fraktionsvize Konstantin von Notz: "Wer Filmförderung nach politischer Opportunität vergibt, macht sich zum Zensor."

CDU/CSU: "Steuergeldverschwendung"

Die Union kritisiert die Förderung scharf. Jens Spahn (CDU): "Das ist keine Kunst, das ist Parteiwerbung auf Steuerzahlerkosten."

AfD: "Staatsfunk im Kino"

Die AfD nutzt den Film für ihre Kritik am "Establishment". Beatrix von Storch fordert eine Überprüfung durch den Bundesrechnungshof.

FDP: Zurückhaltung

Die FDP äußert sich zurückhaltend. Man wolle die Kunstfreiheit nicht infrage stellen, aber die Höhe der Förderung sei "bemerkenswert".

Die Linke: "Kapitalismuskritik wäre wichtiger"

Die Linke kritisiert den Film inhaltlich: "Statt Selbstreflexion über persönliches Scheitern bräuchten wir eine Auseinandersetzung mit den systemischen Ursachen der Klimakrise", so Parteichefin Heidi Reichinnek.

Fazit

Die Habeck-Doku ist mehr als ein Film – sie ist ein Spiegel der deutschen Gesellschaft. Sie zeigt, wie gespalten wir sind: Was für die einen Kunst ist, ist für die anderen Propaganda. Was für die einen wichtige Reflexion ist, ist für die anderen Selbstbeweihräucherung.

Ob der Film Habeck hilft oder schadet, wird sich zeigen. Sicher ist: Er hat eine Debatte ausgelöst – über Kunstfreiheit, über Steuergeld, über die Rolle von Politikern in einer mediatisierten Gesellschaft.

Und vielleicht ist genau das der Wert des Films: Nicht die Antworten, die er gibt, sondern die Fragen, die er aufwirft.